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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
durch ihre einfachen Mahle ein kostbares Gefäß, durch ihre ledernenWaffenstücke ein goldneö Rüstzeug durchblickcn sehen, so finden wir unsüberrascht, aber auch befriedigt, denn die Natur der Menschen und dieVerhältnisse ihres Lebens erklären das Eine wie das Andere. Bei Homerist Armut des Lebens, aber Rcichthum des Geistes; hier aber öffnet sichdurch die Prachtmahle, die herrlichen Feste, Waffen, Kleider, Edelsteine,die Aussicht auf geistige Dürftigkeit; die äußere Erscheinung spannt stetsdie Erwartung, die immer getäuscht wird, während sie bei dem Griechendurch die industriellen, künstlerischen, geistigen Vollkommenheiten, dieaus dem einfachen Naturstand hervortanchen, freudig überrascht wird.In diesem ärmlichen Stolze des Ranges und Standes, bei weniger Bil-dung, liegt ein Hauptgrund unseres Mißfallens an den ritterlichen Er-zählungen, und Cervantes konnte nicht, meisterhafter den hohlen Dünkeldieser Klasse verspotten, als indem er die nackte Wirklichkeit recht derbdaneben stellte. So günstig die Quellen der ritterlichen Dichter ihrersubjektiven Behandlungsart waren, so schroff hielt sie doch eben diese ineinem Gegensätze mit ihrem Stoffe. In ihm herrscht die spärlichste Ar-mut, in den Dichtern aber das Streben nach dem größten Glanz. Fürsinnliche Erweiterung des Stoffes haben sie kein Geschick; für Einschrän-kung ihrer Prachtsucht, ihres lebhaften Antheils, ihrer hochtönendenWorte haben sie keinen Sinn; sie bleiben also mit ihren warmen Ge-fühlen, oft mit reicher Gedankenfülle und mit sprudelnder Redseligkeitdem trockenen und schalen Stoffe gegenüber stehen; sie wollen anfhclfenund können nicht; sie gehen immer mit einer Begeisterung dem Leservoran, die dieser nicht versteht, weil sie nicht in der Sache liegt, sondernblos in dem Dichter. Da diese nicht alte halbvergessne Zustände gegen-ständlich ausmalen, sondern neue allbekannte oft nur andenten, so fehltdie sinnliche Belebtheit und Vollständigkeit; wie in neueren Geschichts-werken wird stets etwas vorausgesetzt, und dies ist freilich in Werkender Phantasie noch viel weniger zu dulden, als in Werken des Verstan-des. Der Dichter spricht zu Lesern, die halb errathen, was er ihnen nurimmer zu sagen unternimmt: er leiht ihnen gleichsam nur Pinsel undFarbe und läßt sie selbst ausmalen. So liegt in Form und Fabel undCharakteren nichts als Zwiespalt und Widerspruch.
Das träumerische Hinlebcn ohne Prinzip, das dünkelhafte Wesenohne Grund, die tapferen Thaten ohne Zweck, das Gewirr der Aben-teuer ohne Ende, das innere Drängen ohne Ziel und Gegenstand, wasAlles wir so stehend finden in diesen Romanen, ist also auch imPar-zival zu treffen. Wie also sollte sich damit das Verdienst, das man dem
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