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Blute der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
in dem Maße wie Kriemhilde sinkt, wie er dem Rüdiger gegenüber edelerscheint, wie er Dictcich's ehrenvolles Anerbieten ansschlägt nnd jetztgestählt ist, sich selbst mit diesem zu versuchen, dies ist sogar in der Aus-führung theilwcise eben so vortrefflich, wie der letzte Theil der Nibe-lungen überhaupt immer darum ausgezeichnet worden ist, weil das hcr-eingebrochene Unheil sich bis zuletzt so trefflich steigert, daß nachdemschon die ungeheuersten Niederlagen erfolgt sind, noch auf den Kampfder Berner Helden alle Lebhaftigkeit, alle höchste Wildheit der Kampf-fchildcrnng gespart ist, wo dem fast ermüdeten Leser durch die wohl-thuende Kürze, mit der der Fall der wackersten erzählt wird, ein neuesGranen bereitet wird, das endlich der schauderhafte Untergang Günthersnnd Hägens noch überbietet.
Man sicht wohl, dies ist die Katastrophe einer Tragödie mehr, alsder ruhige Ausgang eines Epos; nach dem äußersten, zu dem wir hiergeführt werden, bleibt uns nichts mehr zu hoffen noch zu fürchten. ImHomer ist der unendliche Hintergrund das Große; die Aussicht auf denFallTroja's, auf den Untergang eines großen Volkes, auf die-Strasedes Verbrechers, auf Achill'S und Priamus' Tod mit allen Söhnen, aufHekuba'S Verzweiflung und Andromache'S Selaverei, Alles arbeitet zu-sammen, uns aus dem außerordentlich weiten Gebiet der Sage den Ge-genstand der Ilias als eine einzelne Episode betrachten zu lassen, die,wie sie selbst aus Rhapsodien zusammengesetzt ist, uns wieder als bloßeRhapsodie in einem noch ungeheurem Sagenkreise erscheint. Allein dmStoff der Nibelungen hat noch etwas von der Eigenheit der poetischenSagen vor der Völkerwanderung an sich, die sich überall mit einer ge-schlossenen einzigen Begebenheit beschäftigen. Nehmen wir Günther undAttila als historische Personen, so sieht man auch, daß der Ursprung derSage gerade auf der Grenze jener Zeit liegt, von der wir behaupteten,sie habe den Sagen den weiteren epischen Charakter gegeben. Jenenengeren behielt, sahen wir, die Siegfriedsage im Norden; diesen wei-teren erhalten die Nibelungen nur durch die allmählige Anknüpfung derHelden des letzten Thcils. Dietrich, Hildebrand und Etzel sind, manmöchte sagen, schon darum die rein epischen Charaktere dieses Gedichtes,weil der tragische Fall sie nicht einschließt. Und dennoch würden sie unswenig fesseln, wenn wir sie nicht aus anderen Gedichten kennten, worinwieder, was wir so oft finden, ein Beweis liegt, daß diese Dichtwerkealle erst in ihrer Gesammtheit und nach dem Studium der ganzen Ge-schichte der Poesie in ihrer rechten Bedeutung erscheinen. An und fürsich könnten Dietrich und Hildebrand keine große Theilnahme erregen,