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1 (1853)
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Blüte der ritterlichen Lnrik und Epopöe.

vertheidigt dessen Unabhängigkeit von der Kirche und trotzt dem Bannemir Christus Lehre: Gebt dem Kaiser was des Kaisers, und Gott wasGottes ist. Als Pabst Jnnoecnz III. den Bann selbst gegen den guclfi-schenOtto anssprach, schleuderte Walther seine schärfsten Jnvcetiven gegendie weltlichen Ucbergriffe des römischen Hofes, ein würdigerer Vorläuferder Hütte», als jene geistlichen Lateiner des 12. Jahrh., und als 1212des PabsteS Almosenstöcke zur Förderung der Kreuzzüge in die deutschenKirchen gepflanzt wurden, crhub er sich wie Luther gegcu den Ablaß, uudseine kleinen Sprüche zogen, nach Thomastn's fast gleichzeitigem Zeugnisse,Tausende ab von dem Pabstc. Bei diesem Zorne, mit dem er gegen dieGleisnerci und Weltlichkeit der Geistlichen und das Unwesen des römi-schen Hofs auftrat, war er doch treu der Kirche, ein frommer und heili-ger Mensch. Zufrieden'lobt er an sich seine gutartige Natur, die ihuselbst, wenn er die Macht dazu hat, nicht der Rache gedenken läßt, unddann betet er doch mit erschütternder Innigkeit, daß ihm die Feindcslicbefehle und daß er Gott nicht preise, und blickt dabei mit eben solcherSchärfe in sein Herz, wie er mit kindlicher Offenheit beichtet, ohne denkräftigen Ton der Männlichkeit zu verlieren. Seine Mystik ist voll Be-stimmtheit und Schärfe; versenkt in die Gedanken über das Wesen derGottheit verlacht er die Grübler, die da wissen wollen, was niemals ge-predigt und gekündet ward. Herrliche Feierlichkeit und ein ungetrübterunerschütterlicher christlicher Glaube spricht aus dem Leich, der daö Büch-lein eröffnet; doch ist er von keinem Dogma beschränkt, Christ, Judeund Heide gilt ihm gleich, wenn er dem Einen dienet. Die Werke, nichtdie Worte sind ihm werth; er predigt die Kreuzfahrt, und er macht sic,und weigert selbst den Erzengeln seinen dichterischen Preis, wenn sie derChristenheit sich nicht annehmcn wollen, die sie Macht dazu haben.

Ganz ein anderes Bild von der ritterlichen Poesie erhalten wirwieder, wenn wir von den bisher genannten Dichtern zu den bairischenund österreichischen übergehen, die sich an dem babenbcrgischcn Hose zu-sammenfanden und in die Zeit Rudolfs von Habsburg hinüberleitcu.Dort tritt jene Gcmüthlichkeit uud jenes Wohlbehagen, verbunden miteiner larcn Ansicht des Lebens, die das Burleske uud Schlüpfrige be-günstigt, jener Charakter, den das eigentliche Oesterreich und seineHaupt-stadt auch in der neuen Literatur in der Richtung seines Geschmacks be-hauptete, schon damals deutlich hervor. Derbere, bürgerliche uud bäu-rische Züge, die in den Liedern uud größeren Werken der österreichischenDichter unter den Babenbergern gewöhnlich sind, zeigen uns dort einenwohllebenden Mittelstand und unabhängige reiche Gutsbesitzer im