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Blute der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
Mannes und Weibes unterscheidende Zierde, was stets den ächten Cha-rakter in beiden Geschlechtern allein gründen kann, beim Manne die Ei-genschaften des Geistes, bei dem Weibe die der Seele; wie er selbstüberall mit offenem Sinn und freiem Geiste die Erscheinungen des Lebenswägt und mißt, mag er als Muster einer kräftigen und doch innigenMannesnatnr gelten. Seine Frauen haben den Sinn, mit der Erschei-nung sittlicher Rcinigkcit in schöner Form triumphiren zu wollen, Zuchtund Treue ist ihr Stolz, Verständigkeit und redliches Bestreben der derMänner, und dazu tritt dann froher Verkehr und Frauendicnst erhöhendund verschönernd hinzu. Ich wüßte nicht, daß ein Veldeke, den die da-maligen Dichter darum preisen, oder daß überhaupt irgend ein Andererden Werth der Frauen so groß und schön gefaßt, so innig und warm ge-sungen hätte wie er. In diesem Manne ist die große Seite, daß er das,was dem gemeinen Menschen widersprechend scheint, ans seiner Höheumspannt und versöhnt. Mit seinem Ernste könnte eS sonst streiten,wenn er, der sonst in der Natur sich Trost holt im Liebesgram oder inder seligen Erinnerung, auch einmal zum unschuldigen Spiel der Kindergreift; es könnte streiten mit der großen Heiligkeit, mit der er von der Liebespricht, mit der Blödigkeit und Scheu, vic er vor der Angebeteten empfin-det, wenn er ein andermal mit Glück nach Gabe und Gunst ringt, wennder Genuß ihn freut, wenn er jene Lieder singt, die keiner mystischenDeutung und keiner moralischen Vertheidigung bedürfen. Als die Liebennd der LicbeSgesang seine alte Würde verlor und Unsitte eiudraug, vazog er sich, der nie den schlimmen Frauen Lob gesungen hatte, aus demMinnegesang zurück. Daß die trüben Blicke Walthers auf die Vergan-genheit launische Ausbrüche des hohen Alters sind, das auf das Treibender jungen Welt mißfällig herabzusehen pflegt, könnte wohl sein; denJüngling Walther sieht man in seinen Gedichten Mann und Greis wer-den; man erkennt den Muthwillcn der Jugend, den Ernst und die Reifedes Mannes, den rechnenden Ueberblick auf den zurückgelegtcn Laufdurchs Leben, als er im Greiscnaltec angelangt war. Daß aber in derThal das zarte Vcrhältniß dieser höfischen Dichter zu den Frauen, dasim ersten Keim dieses Gesanges eine reizende Blüte gehabt haben mochte,sehr bald auSarten mußte, wird wohl jedermann aus der Natur derSache von selbst erklärt finden. Auch behagte Walthern die düstere An-sicht der Welt nicht, und er wehrte sich lange gegen Anderer Klagen überdie schwindende Zucht, allein er mußte zuletzt seiner eigenen Ueberzeu-gung weichen; auch klagte er nicht über die verfallene Liebe aus Unglückim Lieben, noch über die verfallene Dichtkunst ans der grämlichen Un-