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1 (1853)
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Blüte der ritterlichen Lvrik und Epopöe.

verwandt. Hier sehen wir plötzlich an die Stelle der armen Reime dieaußerordentlichste Fülle und Eleganz einer mit zahllosen Künsteleien (auchbei den Besten) überladenen Reimknnst treten, die sich mit gehausten,neuen, leoniuischcn, Anfangs- und anderen Arten künstlicher Reime jedenSchritt erschwert, ohne daß sie — es sei denn in den höchsten Uebcrtrei-bungcn — irgend einen Zwang verräth. An die Stelle des einfachenMaaßeö des VolksgesangS sehen wir auf einmal ciue Mannichfaltigkeitder Töne kommen, die sich fast der Zahl der Lieder gleichstcllcn läßt, undzu deren Erfindung schon damals an den besten Dichtern das Talent be-wundert, um deren Vervollkommnung und Erweiterung von jedem Ta-lente gewettcifcrt ward. „Von weitem meinen wir denselben Grundtonzu vernehmen, treten wir aber näher, so will keine Weise der andern gleichsein. Es strebt die eine sich noch einmal höher zu heben, die andere wie-der herunter zu sinken, und mildernd zu mäßigen; was die eine wieder-holt, spricht die andere nur halb auS. Diese Sänger haben sich selbstNachtigallen genannt, und gewißlich könnte man auch durch kein Gleich-niß als das des Vogelgesangs ihren überreichen nie zu erfassenden Tontreffender ausdrückcn, in welchem jeden Augenblick die alten Schläge inimmer neuer Modulation wiederkommcn."^). Diese so rimgestaltete undverfeincrteDichtung suchte sich nun auch andere Wohnstätten und Pfleger;sie ließ die herumwandernden Sänger und Harfner, die nicht in höherenKreisen ebenbürtig waren, in Verachtung sinken; die geadelte Kunst ver-langte adlige Sänger; sie ging aus derPflcge von Blinden und Bettlernin die von Königen und Fürsten über; sie ward von den Märkten undDörfern an die glänzendsten Höfe versetzt, an die prachtvollsten Feste undin den Kreis der Frauen eingeführt, an Fürstengunst, an Ehren undgroße Gaben gewöhnt.

Was diese äußeren Verhältnisse angeht, so haben wir damals Er-scheinungen, die den neueren im 18 . Jahrh. sehr entsprechen. Unseregroßen Fürsten damaliger Zeit gelangten nicht zu einer umfassenden Be-schützuug der neuen Kunst. Wir sagten schon oben, daß Friedrich I. wiein neuerer Zeit Friedrich der Große sich mehr der romanischen Dichtungzuwandte. Heinrich der Löwe schien aus dem Wege, sich des deutschenGesangs aus innerer Neigung anzunehmen, ihn hemmten aber die Ge-schicke. Unter den späteren Hohenstaufen dichtete zwar Heinrich VI.,

2lw) Grimm, über den altdeutschen Meistergesang g. 37. Eben in dieser an-regungSoollen Schrift hat der Vers, nachgewiesen, wie fast in sämmtlichen Liedern derdreigliedrige Strophenbau herrscht; nur die Sprüche fallen nicht unter diese Regel.