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1 (1853)
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305
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Minncgcsang.

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lyrischen Versen und Formen gegeben habe; dagegen scheinen dem In-halte nach dieWächtcr- undTaglicdcr, dieTanz-, Frühlings- undHerbst-gesängc der Ritter überall zu verrathen, daß sic auf dem Grunde derVolks-thümlichkeit gewachsen sind. Wie der Ucbergang von des Volkes lyrischemGesang zu dem höfischen sich allmählig vermittelt habe, läßt sich nichtNachweisen; wir haben von älterer lyrischer Poesie nur wenige Reste, dienoch dazu nicht weit ins i2. Jahrh. zurückgehcn, und hier noch mehrals im EpoS ist der Fall, daß uns dies Wenige nach Mehreren: lüsternmacht. ES gibt von dem (Baiern) Kürnbcrgcr, von Walram voi:Grcsten, von dem Oesterrcicher Dietmar von Aist^ch, von demvon Reifen einzelne Lieder, die theilö im Strophcnbau, in ungenauenReimen, in geringerer Glätte und Gewandtheit auf ein höheres Alterdeuten, thcils durch ihre Refrains, oder eine epischere, romanzcnartigeHaltung volkömäßiger klingen und von dem Reize der Einfalt und Un-schuld überzogen sind. Ganz so sing auch die provenzalischc Lyrik mit denvolksthümlichcn, derben Liebesliedern, den Pastvretas, den Balladenund Albas lTanz- und Taglicdcrn) der Wilhelm von PoitierS, der Cer-eamons und MareabruS an, und dort setzte noch der Meister Aller,Giraud de Borneuil, gerade in diese einfachsten Stücke seinen Stolz, dieim VolkSmundc umgingen. Wie wichtig die deutschen Reste dicserKlassesind, erkennt sich schon daraus, daß man aus den Liedern deS Kürnbergcrsund des von Gresten schließt, wie ungefähr die Gestalt der einzelnenNibelungenlieder beschaffen sein mochte, che sie ihre letzte Zurichtung er-hielten, und daß man die eintönigere vicrzcilige Strophe hier auch imlyrischen Gesänge findet, die nun plötzlich, unter dem Anstöße der fran-zösischen Dichtung, im Liede abgeworfcn ward. Die gleichaltrigenHeinrich von Vcldckc und Friedrich von Hausen sind schonso reich an Formen und so gewandt in Sprache, als ob sie ganz mittenin dieser neuen Kunst, nicht an ihren Anfängen ständen. Jener hat sichgewiß in den: lyrischen Liede nicht minder wirksam erwiesen als in derErzählung; der andere, ein Pfälzer, der besonders dadurch interessantist, daß er seine Lieder aus dem Oriente hcimgesandt zu haben scheint,wo er auf Friedrichs I. Krcuzzug k190 in einem Gefechte bei Philome-lium in Klcinasicn nach dem tapfersten Kampfe fiel, ist ihm in aller Art

298) Ein Dietmar V. A. ist von v. d. Hagen IM Bisthum Paffan ln Urkundenvon 1143 — 70 nachgewiesen. Unser Dichter wird wahrscheinlicher ein gleichnamigerSohnsein; im anderen Falle wäre Dietmar der älteste unserer Minnesinger, und dieritterliche Lyrik hätte sich in Oesterreich hart auf dem Fuße der geistlichen Dichtung ent-wickelt, wo wir oben ein Marienlled von 1123 schon anzumerken fanden.

Gerv. d. Dicht. I. Bd. 2t1