Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
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303
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Mimiegesang.

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zunächst und machten ihn für geistige Thätigkcit empfänglich; das Chri-stcnthum sittigte ihn innerlich, cs fing an seine Rohheit zu brechen undsein Gemüth zu beschäftigen; edelmüthig lieh er jetzt seinen Arm derKirche und seinen Schutz dem schwachen Gcschlechte, das er bisher sosächlich behandelt hatte, wie die Kirche feindlich. Je inniger die deutscheNatur von Haus aus ist, desto tiefer wurde cs hier mit dem GotteS-uud Frauendienste gemeint, desto heiliger stimmten sich die Herzen, destobestimmter legte man das ausschließliche Wohlgefallen an Waffenthatcnohne höhere Zwecke, am alten Epos und am historischen Liede ab, undwandte sich auf die Geschichte der Seele. Dies begreift der besser, derselbst in dem Alter steht, das solche Veränderungen hcrvorbringt, undder wird den Liedern, die damals unsere Ritter sangen, am meisten ab-gewinncn, der solch ein inneres Leben am tiefsten durchgcmacht hat. Wernicht aus seiner Jugend Erinnerungen übrig hat au die Zeit der ge-schlechtlichen Reife oder der ersten Liebe, an die Süßigkeit und Bitterkeitder mit ihr verknüpften Empfindungen, die Qualen und Freuden, mitwelchen die junge Einbildungskraft dann abwechselnd martert und be-seligt; oder wer Dante's vim nuovu gelesen hat, ohne sich bei deren In-halt eines ähnlichen aus seinem eignen Leben zu erinnern; wer durchaltkluge Erziehung oder durch cingeborne Verständigkeit und Prosa vordiesen Zeiten der Jugendliebe ungeprüft vorübcrging, dem werden wirnicht leicht einen Begriff von dieser Zeit des Mittelalters, schwerlich eineVorstellung von den Quellen dieser Dichtung, gewiß keinen Geschmackan der Lyrik unserer Rittersänger beibringcn. Das Seelenleben mit allseinen Wundern überwand in ihnen das Wohlgefallen am Waffenleben,der Fraucndienst trat über den Ritterdienst, die Waffen hatten nur nochBezug auf Religion und Frauen, die Turnierpreise vergaben diese, undman diente ihnen mit Gesang und Lied wie mit dem Schwerte. Diesreine Leben der Einbildung stellte bald das äußere Leben, That undHandlung, in Schatten, und daher verschwindet jetzt im Epos die Schil-derung von Handlungen und Thaten, um der Schilderung der Seelen-zustände und Liebesempfindungen Raum zu machen; es flüchtete vor derWirklichkeit; und cs gibt nichts Merkwürdigeres, als die ideale Höheder Stellung des Weibes bei diesen Dichtern mit der untergeordneten zuvergleichen, die ihm die Wirklichkeit in Staat und Recht anwies.

Sobald das Minnclied in den ritterlichen Kreisen in der Volks-sprache ertönte, entschied sich die ausschließliche Herrschaft des Ritter-standes auf diesem Gebiete der Dichtung; man hätte eS unerträglich ge-funden, daß der geistliche Stand gerade in dieser Gattung in allgemein