Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
299
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Minnrgcsang.

LUS

in altklassischen Metren, theilö in den aeeentuirten trvchäisch rataleeti-schcn Versen geschrieben sind, die schon in der römischen Volksdichtunggebraucht wurden und die lateinische Lyrik dcö Mittelalters beherrschten.Er hätte geendet, indem er sich versuchte, mit Verleugnung aller klassi-schen Gelehrsamkeit und Manier, einzelne Stücke unserer Minnesingerlateinisch nachznbilden, von denen er zuweilen und nur von ferne denInhalt, immer und genauer den Stcophcnbau wiedergab, offenbar indem Zwecke, die Worte der Spiel-und Tanzwcise angepaßt zu halten.Diese kostbare Sammlung von Gedichten, welche deutsche Erzeugnissesind, in so naher Berührung mit der Minnedichtung stehen und zu glei-cher Zeit entstanden sind, drängt uns zur Vergleichung zwischen beidenhin. Es ist ein seltsamer, befremdender Unterschied. Wir könnten unsin so vielen vagen deutschen Minneliedern wie fremd fühlen, in diesenlateinischen Gedichten fühlen wir uns deutsch. Jene ritterlichen Formenund Weisen sind nntcrgcgangen, diese Lieder des gelehrten Vaganten ha-ben in der verwandten Stndentcnwelt den gleichen Ton bis zu diesemJahrhundert gehalten und sind in einzelnen Thcilen (wie ans jener Beichtedes Golias^') das allbekannte meui» est jmopositum) bis heute leben-dig geblieben. Denn viele dieser Gedichte sind voll von einer immergültigen Natur, von einer klassischen Anschauungsweise, und daher, wieGrimm sagt, von einer unvergänglichen Kraft. In dem Augenblickegerade, wo in den geistlichen, dramatischen Mysterien die lateinischeDichtung und Sprache in große Rohheit absank, tritt sie in dieser un-geistlichen Lyrik in einer Frische und Stärke auf, wie erst in den TagenFrischlurS und Naogcorgus' wieder, und sie entwickelt eine Beweglichkeitdes Gedankens und eine Weite des Gesichtskreises, wogegen die Minne-dichtung limincr den Einen Walther v. d. Vogelweide ausgenommen)ganz verengt erscheint. Die größte Kraft tritt in der geistlichen Polemikheraus. Dierebellischen" Gedichte eisern, in dem Tone, in dem Barba-rossa mit den Päbsten redete, gegen Roms unersättliche Herrschsucht, ge-gen seine Unterdrückung von Wahrheit und Recht, gegen seinen Götzen-dienst vor Plutnö' Altäre, gegen seine Käuflichkeit und Bestechlichkeit,Simonie undGiezic", gegen den Verkauf des Chrisma und der Ho-stien, was noch im 13. Jahrh. Gegenstand der Polemik im Wartburg-kriege war; in diesen Stücken schallt es wie die Stimme Luthers schonim 12. Jahrh. Ebenso eindringlich sind die Ermahnungen an die Geist-

A9Ü) In Schmcller'ö Sammlung Nr. >72.