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Die Dichtung i» den Händen der Geistlichkeit.
den, zunächst der Gegenstand der Geschichte deutscher Poesie. Die Ver-kündung dieser neuen Religion, ihr erstes Entwurzeln, der frischeste Ein-druck, den sie machte, mußte einer Nation, wie die deutsche, aus derenStämmen das Christcnthum allein in seiner Reinheit ruht, zu thcuersein, als daß seine Dichtung daran hätte vorübergehcn können. DenGeistlichen stand die Aufforderung zu einer Geisteöthätigkcit in dieserRichtung sehr nahe; die lateinische christliche Poesie war seit sehr frühenZeiten gepflegt worben. Wäre cs Noth, so würden wir hier bis aufClemens von Alexandrien und Gregor von Nazianz zurückgeheu; dochgenüge die Bemerkung, daß besonders in Spanien die poetische Um-schreibung der biblischen Schriften Aufnahme und von da Verbreitungfand. Juveneus schrieb schon zu Constantins Zeit eine evangelische Ge-schichte in Hexametern, hauptsächlich nach Matthäus; die Wcltschöpfunggab im fünften Jahrhundert dem Draeontins, später dem Claud. Mar.Victor, die Maceabäer dem Victorin, die Wunder Christi dem Se-dulius, die Bücher Moses dem Avitus, die Apostelgeschichte dem Aratorund Anderes Anderen Stoff zu lateinischen Gedichten. Auch in Deutsch-land entstanden, seitdem diese Dinge mit Beda's Poesien, mit Aldhclm'sund Cudberts Werken eingeführt waren, eine Menge von kirchlichenlateinischen Dichtungen von dem verschiedensten Wcrthe. Die Anregungdes Versuchs, auch iu der Sprache des Volkes diese heilige Poesie zupflegen, war damit gegeben. Unter den Angelsachsen hatten die Quellenunserer Religion ausgebreiteten Eingang in die Volkssprache gefunden;und man kam von der Uebersetzung biblischer Schriften bald auf Um-schreibung und auf dichterische Ausschmückung. Denselben Gang schie-nen die Dinge schon in viel älterer Zeit bei den Gothen nehmen zu wol-len. Dieser Stamm trägt überall die Kennzeichen einer verfrühten Bil-dung. Es wird ein Jrrthum sein, wenn mau angenommen hat, daßdie Gothen schon frühe geschriebene Gesetze besessen hätten, ein Ruhm,der neuerlich mit einleuchtenden Gründen vielmehr dem fränkischen Volkezuerkannt worden ist"), von dessen ältestem Gesetzbuche traurige Trüm-mer in den Trümmern einer Sprache erhalten sind, die an Alter dergothischen Bibel gleich, wenn nicht vorgesetzt wird. Desto sicherer dage-gen ist, daß die Gothen sich zeitig römischer und griechischer Wissenschaftbemächtigten, wie sich denn Jornandes schon im sechsten Jahrh. auf go-thische Geschichtschreiber und Geographen berufen konnte; daß sie auf
44) A. Holtzmann, über das Verhältniß der Malberger Glosse zum Tert der lex-julieu. 185?.