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1 (1853)
Entstehung
Seite
56
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56 Wirkungen d. Völkcrwand. ans d. geschichtl. Volksgcsang.

innerlichst zusammen. Welch eine Beschränktheit ist es nun, zu streiten,ob die romantische Kunst durch die Briten oder die Dänen, durch dieFranzosen oder die Araber über die Welt gekommen sei! Man muß daherdie innere historische Entwickelung dieser neuen Bctrachtungsart der Dingezu verfolgen suchen, und dazu liegt hier der erste Anlaß, weil für dasdeutsche Volksepos hier die Hauptquelle der Art von Romantik liegt,die wir in ihm vorherrschend finden. Dies sind große Heerfahrten, Völ-kerkämpfc und ungeheure geographischeRäumc, deren Umfang ganz eigenmit den Grenzen der Wanderungen deutscher Stämme übereintrifft, sodaß unsere volksthümlichcn Epen im offenbar gleichen Vcrhältniß zurVölkerwanderung, wie die späteren französischen Dichtungen zu dcuKrcuz-zügen erscheinen. Leitet sich das Wunderbare theilwcise von der halbenKcnntniß dunkler Ferne her, so sicht man sogleich, wie der Gebrauchdesselben in den deutschen Epen viel unbedeutender sein mußte, als inden französischen, und es stellt sich auch durchLedebur'S, Dahl'S und nochneuere Untersuchungen heraus, daß namentlich im Nibelungenliede diegeographische Unbestimmtheit mehr verschwindet. Hätten wir mit derseandinavischen Poesie zu thun, so würden wir die allerersten Spurenromantischer Vorstellungen in der halben Kcnntniß der ungeheurenNatur finden; denn diese Vorstellungen haben eine so regelmäßige Ent-wickelung, daß mau deutlich zeigen kann, wie sie sich erst ganz materiellan der Natur und ihren geheimnißvollcn Kräften und Geschöpfen äußern,dann, wenn die Heimat erforscht ist, sich mit der Fremde, mit ihren Be-sonderheiten, mit Reisen und Reiseabenteuern beschäftigen, daß sie dannvom Raume in die Zeit überspringen und erst die älteren, dann auch dieneueren Geschichten in ihren Kreis ziehen, von da aber in verschiedenerWeise in die räthselhafte Geistcrwelt cindringen, so daß sie sich von An-fang bis zu Ende immer mehr verflüchtigen und immer nach der Aufklä-rung des einen Asyls zu einem anderen dunkleren flüchten. Je älter dieZeit, desto mehr sehen wir jene Anfänge herrschen, je neuer, desto mehrdies Ende. So ist die nordische Dichtung mit Riesen, Zwergen undUngeheuern aller Art gefüllt, mit sonderbaren Thiereu, wundcrkräftigcuFrüchten, Thierverwandluugen, verhängnißvollcm Golde. Alles Geo-graphische ist hier vag und ungewiß, denn die Fahrten der Nordländergingen zur See vor sich, die Fremde spielt hier nicht die große Rolle,wie in dem Volke, von dessen Kerne die große Wanderung über Europaausging. In unseren Nibelungen nun stehen wir noch ans dem bekann-teren heimischen Gebiete, und das Ungewisse in den örtlichen Bestim-mungen ist noch unbedeutend. Allerdings ist anzunchmcn, daß vieles