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Spuren der ältesten Dichtung
sagte: cS war ein wildes Getön und durch den an den Mund gehaltenenSchild gebrochenes Getöse, aus dessen Stärke leicht auf den Ausgang derSchlacht zu schließen war. Solch ein wildsröhlicher Gesang war auchbei ihren Gelagen üblich"). Lieder dieser Art mußten wohl am erstenverschwinden. Es hätten sich denn Fremde finden müssen/) die so vielSinn für diese junge Volksdichtung und so viel Sprachkcnntniß gehabthätten, um solche Gesänge aufznzcichncn. Und Schade ist cs, daß unskein näher mit den Deutschen beschäftigter Römer etwas von diesen Din-gen ansbcwahrt hat; sollte Ovid die barbarische Sprache erlernt haben,hätte er nnS doch Verse daraus übersetzt, statt spielend deren zu machen.Aber diese Römer hatten ja so wenig Sinn für ihre eigne alte historischeund skeptische Volksdichtung, daß sic schon zu EieeroS Zeit verloren war!Und welchen Geschmack sollten sic an deutschen Liedern finden, die demEinen wie das Geschrei kreischender Vögel lauteten, während der Anderesich vor den deutschen Berg- und Völkernamen entsetzte, und Allen, wienoch jetzt den Südvölkern, unsere Häufung der Consonanten und diestrenge einsylbige Aussprache derDoppelvoealc hart sein mußte! Hat dochso spät noch selbst Otsried und jeder barbarische Schriftsteller, der sichvornehm romauisirt hatte, den Klang deutscher Worte zwischen dem La-teinischen zum Lachen abstcchcnd gefunden!'
Am merkwürdigsten wäre unstreitig für unS, wenn uns auch nurder Inhalt einiger historischen Gesänge") der älteren Deutschen wäreerhalten worden. Taeitus aber klagt ja selbst, daß die Griechen, in derenHänden er die Literatur sah, nur das Ihrige bewunderten und unbekanntmit Armin wären, den noch langeJahre nach seinem Leben die Lieder derDeutschen besangen. Dies Zengniß des Taeitus ist der erste und unver-dächtigste unter vielen Winken, die wir über die Anfänge des episch-histo-rischen Volksgcsangs deutscher Stämme besitzen. Nirgends scheint dergeringste Anlaß zu einer Bezweiflung dieser Angabe. Die Vermengungeines dunkeln Heroen Jrmin mit dem geschichtlichen Armin anzunchmcn,hieße die reinste Freude an den klarsten geschichtlichen Zeugnissen trüben,und cS würde dies ein Uebergriff der mythologischen Deutung in dieHelle Geschichte sein, der kaum durch die historische Zerlegung der Mythenentschuldigt wäre, deren man sich aus der anderen Seite bei anderen Ge-legenheiten ungeschickt genug schuldig gemacht hat.
Daß auch in anderen deutschen Stämmen der ähnliche ganz uu-
18) 'IHt. .-rnnai. I. 65.
II) k>uo<1 unum apu'I illos eixeinis est. IHt. 6e^m.2.