Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
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I.

Spuren der ältesten Dichtung in Deutschland.

Aus den ersten Jahrhunderten, in denen wir nufere Vorfahren inder Geschichte finden, besitzen wir zwar keine Denkmale ihrer Dichtung,aber doch ausdrückliche Zeugnisse, daß sie Lieder verschiedener Art gehabtund gesungen haben. Wären diese Zeugnisse auch nicht vorhanden, sohätte man gleichwohl ans das Dasein eines Gesanges unter ihnen schlie-ßen dürfen. Denn jene Art von Poesie, welche der ungekünstelte rauheoder weiche Ausdruck heftiger oder sanfter Gefühle und Leidenschaften,oder des Lobes und Spottes auf öffentliche Handlungen ist, verschmähtnicht leicht irgend einen Raum der Erde; sie findet sich bei den Negernder Tropcnklimate, wie bei den Kamtschadalen. Sie verschmäht nichtleicht eine noch so rohe Cultnr, und würde sich auch in dem Naturzu-stände eines viel wilderen Volkes eingestellt haben, als in dem des bild-samen Germanen, dem seine gebildeten Feinde, die Römer, als sie ihreneigenen Untergang durch diese Barbaren noch drohend oder schon herein-brechend ahnten oder erlebten, ein besseres Zcugniß schrieben, als mancheseiner späteren gelehrten Nachkommen, die bei ihren Ahnen nichts alsthicrische Rohheit fanden. Diese Art von Dichtung reicht endlich auchbis in die entferntesten Zeiten hinauf, denn es ist schwerlich ein Zweifel,,daß nicht die ersten Menschen, wie sie von den vierfüßigcn Thicrcn ge-selliges Zusammensein lernten und Unterricht in der Befriedigung natür-licher Bedürfnisse erhielten, so auch von dem Vogel den äußeren Antriebempfingen, den melodischen Ausdruck innerer Regungen nachzuahmen,und bald den Gesang mit rhythmischem Falle der Worte oder mit eben-mäßiger Bewegung der Füße zu begleiten.

Tacitus erwähnt mancherlei Gesangesartcn, wenn er von den Ger-manen redet. In alten Gedichten feierten sie den erdcgeborenen Gott .

Ger«, d. Dicht. I. Bi>.

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