Druckschrift 
Die Lusiaden des Louis de Camoes. Verdeutscht von J. Donner
Entstehung
Seite
128
Einzelbild herunterladen
 

128

Die llusiaiien.

141 .

Gar leicht sind tapfre Herzen dann verkehretDurch Sinnenlust in weibische Gemüther,

Wie wir selbst von Aikmenens Sohn gehöret,

Der einst als Knecht zur Omphale stieg nieder;

Wie Marc Anton den eignen Ruhm zerstöret,

Alb er verliebt der Cleopatra Hüter;

Selbst du, Phönizier, hast es schwer empfunden,Daß die apulische Maid mit dir verbunden.

142 .

Doch wer mag wahrer Liebe sich entziehen,

Und jenen Schlingen, die uns Amor leget,

Wo neben Schnee die frischen Rosen blühen.

Wo Gold der Locken kosend sich beweget?

Wer mag vor einer seltnen Schönheit fliehen.

Die gleich Medusa's Haupt das Herz erreget,Gefangen nimmt und gänzlich es verkehret,

Doch nicht in Stein: in Gluth, die uns verzehret?

143 .

Wer sah den Blick, die lächelnde GebehrdeVon sanfter, engelgleicher Schönheit winken,Durch die verwandelt Alles aus der Erde,Wer mag nicht huldigend ihr zu Füßen sinken?Wohl möglich, daß Fernand entschuldigt werdeDurch Jene, die vom Born der Liebe trinken:Der, dessen Blick und Sinn noch frei geblieben.Wird um so strengres Richteramt ihm üben."