405
Dcr Pfalzgraf Maximilian von Zwcibrücken (später KönigMax Joseph vro Bayern) hatte sich mit der Prinzessin Auguste vonDarmstadt vermählt, was wegen der Erdfolge im pfälzischen Hausevon großer Bedeutung war. Die Neuvermählten wurden in Mann-heim vom schwärmerischen Jubel einer loyalen Bevölkerung em-pfangen. Sie sollten der ersten Aufführung von Paisiello'S Barbiervon Sevilla beiwohnen; da beschloß dcr empfängliche Jffland, hin-gerissen von der allgemeinen Stimmung, derselben auf der BühneWorte zu geben. Er schrieb in vier und zwanzig Stunden dasVorspiel: „Liebe nm Liebe." Dasselbe machte auf die beweglichenPfälzer einen unbeschreiblichen Eindruck. „Ohne mich umzukleiden,raunte ich vom Theater nach Hause und theilte mit meinenFreunden uns Hausgenossen die überschwenglichen Gefühle diesesTagS. Mein Haus ward ein öffentlicher Platz; Menschen von alle»Ständen, viele, die icb vorher nicht gesehen und nachher nichtwieder gesrhen Habs, drückten mir die Hand, weinten an meinerBrust Freuoenthränen. Die Nacht kam kein Schlaf in meineAugen; der seligste Friede wohnte in meinem Herzen. Noch vieleTage dachte ich nichts als jenes Fest, und jetzt, da ich diesisschreib-, ist die Empfindung mir so gegenwärtig, als wäre dieseFeier vor kurzem erst vorgegangen." — Ist er ein Wunder, wennJffland später zu Berlin, einem kalten, kritischen Publikum gegen-über, mit Wehmmh der Zeiten gedachte, wo er in solchen Aus-tritten des höchsten Künstlerglücks genoß! — Aber auch von verkurfürstlichen Familie war das, was Jffland zum schönen Festebeigetragen, sehr gut ausgenommen worden. Die alte Knrfürstinließ ihn rufen, sprach sich aufs herzlichste gegen ihu aus, übergabihm ein ansehnliches Geschenk (100 Louisd'or und eine goldeneDose) und bat ihn dringend, Mannheim, wenigstens so lange siclebe, nicht zu verlassen. Jffland gab ihr sein Wort mit über-strömendem Herzen, nicht ahnend, daß nur zu bald die Zeit