Druckschrift 
8 (1860) Erinnerung [u.a.] Die Advokaten
Entstehung
Seite
308
Einzelbild herunterladen
 

308

ein gutes Mädchen. Ich habe mich ehedem wohl manchmal anDeinen schwärmerischen Gefühlen ergötzen können. Denn so warauch Deine Mutter.

Sophie. Achl

General. Und nun laß uns ein Wort von Deiner Mutterreden. Sie war bei allen reizbaren Gefühlen doch auch eine sehrentschlossene Frau. Wenn sie hier unter uns wäre, so würbe unsresLeidens etwas weniger seyn. Ich bin ein alter Mann, stehe zwi-schen Tod und Kummer, was kann ich für Dich thun? Du bistso unglücklich und so beklagenswerth daß ich Dich gar nicht zutrösten weißl

Sophie. Hören Sie auf schonen Sie meiner

General. Und dazu bedarf ich noch einen Trost von Dir.

Sophie. Von mir Trost?

General. Ja, mein Kind ich stehe allein meineEhre hat gelitten mein Herz bricht. Habe Mitleid thueauch etwas sür mich. An Dich weiset mich die Natur dieDankbarkeit mein Alterl Mit aller Gewalt der väterlichenRechte und aller Stärke der Vaterliebe fordere ich einen Trost vonDir, unglückliches Kindl

Sophie. Gebe Gott mir die Kraft dazu reden Siewas kann ich thun?

General. Laß Deinen Vater nicht zu Schanden werden,liebe Sophie I Seh eine Heldin in Deinem Unglück, daß dieMenschen meine Tochter ehren, aber nicht bemitleiden.

Sophie (seufzt tief). Achl

General. Dein Freund wird sehr männlich sterben

Sophie. Aber er lebt noch?

General. Noch! Er spricht nur von Dir aber ist auchnur von dem Gedanken gequält, daß Du Dich Deines großen Kum-mers unwerth zeigen möchtest.