Doktor (nimmt den Brief, küßt ihre Hand, und geht).
Hrurictte. Wir rede» so gern von unsrem Dank, aberSie meiden ihn stets, das thut mir weh.
Doktor (sicht sie an, seufzt, und sagt mit Gefühl:) Es ist ge-fährlich, um dankbare Menschen zu sehn.
Henriette. Wenn man neuen Verpflichtungen ausweichenwill — wohl.
Doktor (lebhaft). Nie werde ich deren so viele haben, alsmein Herz wünscht.
Henriette. Ihr Herz, das so rege Gefühle hat —
möge es auch ganz glücklich seynl Der Wunsch liegt in meinemHerzen, und ich spreche ihn aus, weil ich ihn nicht zurückhalten darf.
Doktor (sieht sie an). Glücklich? (Er seufzt.)
Henriette. Sie find es nicht?
Doktor. Wer mehr wünscht, als er wünschen sollte —
muß im Stillen über das trauern, was er entbehrt. (Er steht
nieder.)
Henriette. So hätte ich denn nichts mehr zu sagen,
als — es gehe Ihnen gut. Was ich hinzu setzen könnte —sähe vielleicht einer Frage gleich — und die kann mir nicht
zukommen.
Doktor. Ich bin Witwer, bin nicht jung, und habe dochalle Gefühle kräftiger Jugend — meine Jahre — verbieten mir,für meine Empfindungen Ansprüche zu machen.
Hcnrlettc (leicht hin). Sind Sie schon so alt?
Doktor. Nicht jung genug für manche Hoffnungen.
Henriette (sieht von ihm weg). Mit dem Eigensinn dieserMeinung — ist es vielleicht Ihre Schuld, wenn Sie nicht
glücklich sind.
Doktor lnach kurzer Pause). In einem gewissen Alter —