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8 (1860) Erinnerung [u.a.] Die Advokaten
Entstehung
Seite
196
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Doktor (nimmt den Brief, küßt ihre Hand, und geht).

Hrurictte. Wir rede» so gern von unsrem Dank, aberSie meiden ihn stets, das thut mir weh.

Doktor (sicht sie an, seufzt, und sagt mit Gefühl:) Es ist ge-fährlich, um dankbare Menschen zu sehn.

Henriette. Wenn man neuen Verpflichtungen ausweichenwill wohl.

Doktor (lebhaft). Nie werde ich deren so viele haben, alsmein Herz wünscht.

Henriette. Ihr Herz, das so rege Gefühle hat

möge es auch ganz glücklich seynl Der Wunsch liegt in meinemHerzen, und ich spreche ihn aus, weil ich ihn nicht zurückhalten darf.

Doktor (sieht sie an). Glücklich? (Er seufzt.)

Henriette. Sie find es nicht?

Doktor. Wer mehr wünscht, als er wünschen sollte

muß im Stillen über das trauern, was er entbehrt. (Er steht

nieder.)

Henriette. So hätte ich denn nichts mehr zu sagen,

als es gehe Ihnen gut. Was ich hinzu setzen könntesähe vielleicht einer Frage gleich und die kann mir nicht

zukommen.

Doktor. Ich bin Witwer, bin nicht jung, und habe dochalle Gefühle kräftiger Jugend meine Jahre verbieten mir,für meine Empfindungen Ansprüche zu machen.

Hcnrlettc (leicht hin). Sind Sie schon so alt?

Doktor. Nicht jung genug für manche Hoffnungen.

Henriette (sieht von ihm weg). Mit dem Eigensinn dieserMeinung ist es vielleicht Ihre Schuld, wenn Sie nicht

glücklich sind.

Doktor lnach kurzer Pause). In einem gewissen Alter