19
Präsident. Thun Sie das ja. — Die erste starke Em-pfindung über eine Sache ist wahrlich der gute Genius, der unsden rechten Weg führt —
» Fräulein. O gewiß, gewiß! — So bitte ich denn —
bewerben Sie sich nicht um diese Stelle im Stifte für mich! Ichbitte recht sehr, thun Sie es nicht.
Präsident. Wie?
Fräulein. Wahrlich, Sie dürfen es nicht thun!
Präsident. Weßhalb nicht?
Fräulein. Herr Nach von Krall sucht um diese Stelle fürseine Schwester nach. —
Präsident. Er hat mir davon kein Wort gesagt.
Fr8ul ein. ^Unmittelbar bei Hofe sucht er darum nach.
Präsident (lebhaft). Das möchte ich bezweifeln.
Fräulein. Ich weiß es gewiß.
Präsident. Sey es. Diese Stellen sind für Familien, dienicht begütert sind, und Fräulein von Krall ist reich.
Fräulein. Da ich aber bei der Frau Präsidentin bin, vonihr erhalten werde —
Präsident. Diese Abhängigkeit muß aufhöreu, eine so zarteSeele leidet dabei.
Fräulein. Wenn man nun erfährt, daß Sie sich deßhalbfür mich beworben haben, so wird man sagen —
Präsident. Was kann man sagen —
Fräulein. Da die Frau Präsidentin — (sehr verlegen) daman sagt — verzeihen Sie — daß Sie in besonderer, in herzlicherVerbindung mit ihr stehen, so wird man glauben, Sie hätten ans
Gefälligkeit für sie — aus Parteilichkeit-o, werden Sie
ja nicht böse auf mich —
Präsident. Nicht doch —
Fräulein. Diese Stadt ist so geneigt, alles ungleich auszulegen —