Druckschrift 
2,1 (1826)
Entstehung
Seite
10
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eine schöne, rein azurblaue Farbe, und das Selen ver-fliegt mit einem starken Rettiggeruch, welcher, wenn ersehr concentrirt ist, zugleich etwas vom Gerüche verdor-bener Kohlrüben hat. Der riechende Stoff ist ein gas-förmiges Oxyd des Selens. In Sauerstoffgas kann Selenangezündet werden und bildet.dann die Selensäure.

Selenoxyd.

Wenn das Selen in einer mit atmosphärischer Luftangefüllten Florentiner Flasche erhitzt wird, so wird eszum Tneil oxydirt, ohne jedoch zu brennen, und die inder Flasche befindliche Luft erhält einen starken Rettig-geruch. Wird diese Luft mit etwas Wasser gewaschen,so erhält dieses den Geruch des Gases, mit der Eigen-schaft, aufs Lackmuspapier schwach sauer zu reagiren,und vom Schwefelwasserstoffgas mit gelber Farbe nieder-geschlagen zu werden. Diese letzteren Eigenschaften rüh-ren jedoch von einem Antheil Selensäure her; denn wenndas Gas in der Flasche mit neuen Portionen Wasser ge-schüttelt wird, so erhalten sie seinen Geruch, ohne we-der zu reagiren, noch von Schwefelwasserstoff niederge-schlagen zu werden. Das Selenoxyd gas ist übrigens blofsin geringem Grade in Wasser auflöslich und giebt diesemgar keinen Geschmack. Wenn man Schwefefselen in Kö-nigswasser auflöst, so dafs die Salpetersäure noch vor be-endigter Auflösung zersetzt wird, so entwickelt sich die-ses Gas, während die Selensäure vom Schwefel reducirtwird; die Flüssigkeit füllt sich mit einer rotlien Trübungvon reducirtem Selen, und es entwickelt sich der Ret-tiggeruch. Werden Selensäure und Selen zusammenge-mischt und erhitzt, so erhält man auch eine Portion vondiesem Gase; aber das Meiste wird unverändert subli-mirt. Ich habe nicht versucht, beide zugleich durch eineglühende Röhre streichen zu lassen, wobei vermutblichdie Zersetzung vollständiger erfolgen würde.

Das Selenoxyd, gasförmig durch Auflösungen vonätzenden Alkalien geleitet, erlheilt diesen Rettiggeruch;aber es wird von diesen nicht in gröfserer Menge, als