Druckschrift 
4,1 (1831) Lehrbuch der Thier-Chemie
Entstehung
Seite
692
Einzelbild herunterladen
 

692 Veränderung der Thierstoffe

lang unter Ersetzung des verdunstenden Wassers kocht, mitKreide sättigt, liltrirt, zum Syrup abdampft und einen Mo-nat Jang stehen labst, so setzt sich daraus eine krystallini-sche Kruste von einer eigenen, zuckerartigen Substanz ab,die ßraconnot Leinizucker genannt hat. Durch Abgie-isen des Syrups, Abspühlen des Zuckers mit schwachemAlkohol, und Auflösen desselben in Wasser und Umkry-stallisiren erhalt man ihn rein. Dieser Zucker krystallisirtleichter als Rohrzucker, und bildet platte Prismen oderzusammengewachsene Tafeln, die wie Kandiszucker zwi-schen den Zähnen knirschen und ungefähr wie Trauben-zucker schmecken. Seine Löslichkeit in Wasser ist un-gefähr wie die vom Milchzucker, und er setzt sich beifortfahrendem Abdampfen an der Oberfläche in Kryslal-len ab. Er verträgt besser als gewöhnlicher Zucker Hitze,schmilzt vor seiner Zersetzung, riecht nicht wie gebrann-ter Zucker und gibt bei der Destillation Ammoniak, nebsteinem geringen, nicht weiter untersuchten Sublimat. Erist unlöslich selbst in kochendem und verdünntem Alko-hol und Aether. Er läfst sich nicht in Weingährung ver-setzen.

Er hat dieselbe Neigung wie das Leucin, sich mit Sal-petersäure zu vereinigen, welche Verbindung ßraconnotAcide nitrosaccharique nennt. Wir wollen sie der Kürzewegen Leimzuckersäure nennen. Man erhält sie durchAuflösung des Leimzuckers in Salpetersäure mit Hülfe vonWärme; es entsteht dabei kein Auf brausen, und beim Er-kalten schiefst die neue Verbindung an. Man reinigt siedurch Auspressen zwischen Löschpapier und Umkrystallisi-ren. Sie krystallisirt in farblosen, durchsichtigen, streifigen,etwas abgeplatteten Prismen, ähnlich denen vom schwefel-sauren Natron. Sie schmeckt sauer und zugleich etwas stifs-licli, ist in Wasser leichtlöslich, aber selbst in kochendemAlkohol unlöslich, ßeim Erhitzen bläht sie sich auf undzersetzt sich mit Kochen und einem stechenden sauren Ge-ruch, aber ohne Feuer. Sie bildet eigene Salze, die beimErhitzen abbrennen. Das Kalisalz wird neutral und sauererhalten; beide krystallisiren in Nadeln, ganz verschieden