Druckschrift 
4,1 (1831) Lehrbuch der Thier-Chemie
Entstehung
Seite
633
Einzelbild herunterladen
 

Cochenille.

633

Coccus Cacti, Cochenille. Dieses Insect ist sehr reichan Farbstoff und liefert sowohl für die Malerei als Färbe-kunst die schönsten rothen Farben. Es lebt auf Cactus coc-cinellifer, Opuntia, Tucca und Peresxia, die für die Zuchtdieses Insectes in mehreren warmen Ländern gebaut wer-den. Nach der Paarung werden die Weibchen gesammelt,durch Wärme getödtet und getrocknet, und kommen nunals kleine, dunkelbraune Körner, die hier und da mit einemweifsen Ueberzug von Margarinsäure beschlagen sind, inden Handel. Die Cochenille ist von Pelletier und Ca-ventou untersucht worden.Sie enthält:

1. Ein Fett, ausziehbar durch Aether, und schon beiden Fetten im Allgemeinen erwähnt.

2. Coccusroth (Pelletiers Carmine , von derschönen rothen Farbe Carmin). Dieser Farbstoff läfst sichauf folgende Weise isoliren: Vermittelst Aethers zieht manzuerst aus der Cochenille alles Fett aus, und kocht sie als-dann zu wiederholten Malen so lange mit Alkohol von 0,82spec. Gewicht, bis sich dieser zuletzt nicht mehr färbt. Diemit einander vermischten Alkohol-Lösungen werden abde-stillirt, und der letzte Rückstand in einem offnen Gefäfseverdunstet. Sowohl beim Erkalten der Flüssigkeit in derRetorte, als auch beim Verdunsten des Rückstandes, setzensich kleine rothe Körner ab, die halb krystallinisch sindund aus Coccusroth, Fett und thierischen Materien beste-hen. Diese Körner behandelt man mit kaltem, concentrir-tem Alkohol, welcher den Farbstoff und eine Materie mitrothgelber Farbe auflöst, und eine braune, extractartigeSubstanz ungelöst läfst. Man vermischt nun den Alkoholmit seinem gleichen Volumen spiritusfreien Aethers, wel-cher den reinen Farbstoff niederschlägt und die gelbe thie-rische Materie in Auflösung behält. Eine andere, vermuth-lich weit weniger zuverlässige Methode besteht darin, dafsman die Cochenille mit Wasser kocht, das Decoct ablil-trirt und die thierischen Stoffe mit neutralem salpetersau-ren Silberoxyd, und darauf den Farbstoff durch neutralesessigsaures Bleioxyd ausfällt; der letztere Niederschlag wird,nach dem Auswaschen, durch Schwefelwasserstoffgas zer-