Druckschrift 
4,1 (1831) Lehrbuch der Thier-Chemie
Entstehung
Seite
399
Einzelbild herunterladen
 

Harnsteine.

399

zieht daraus einen Theil der thierischen Materie aus, ohnedas Salz selbst anzugreifen; aber von kohlensaurem Kaliwird es mit Hinterlassung von kohlensaurem Kalk zersetzt.Die thierische Materie folgt hierbei der Säure und ver-bindet sich mit dem oxalsauren Kali.

Man weifs nicht, wie die Oxalsäure in den Harnkommt, so wichtig es auch wäre, die Umstände zu ken-nen und zu vermeiden, welche ihre Bildung veranlassen.So viel weifs man, dafs der starke oder tägliche Genufsvon sauren Vegetabilien, wie z. B. Sauerklee (Oxalis ace-tosella), Sauerampfer (Rumex acetosa), welche freie Oxal-säure oder ihre sauren Salze enthalten, die Bildung vonGries aus oxalsaurem Kalk veranlassen, der auch wiederaufhört, sobald der Genufs jener Vegetabilien abgebrochenwird; allein auch andere unbekannte Umstände, unter de-nen man nicht die geringste Störung der Gesundheit be-merkt, scheinen daran Theil zu haben.

10) Cystin. Dieser Bestandtheil von Harnsteinen istvon Wollaston entdeckt worden, der ihn Cystio oxidenannte, weil er sowohl von Säuren als Alkalien aufgelöstwird, und in der Hinsicht einigen Metalloxyden gleicht.Allein es kann weder der Name Oxyd, als definitiv füreinen organischen Körper, als richtig erkannt werden, da,mit sehr wenigen Ausnahmen, alle organische Körper Oxydesind, noch-kann man den angegebenen Grund für diesenNamen als gültig betrachten. Ich habe mir deswegen er-laubt, hinsichtlich der Benennung dieses Körpers von demVorschläge des ausgezeichneten Mannes abzuweichen.

So wie das Cystin in den daraus bestehenden Stei-nen vorkommt, bildet es eine schmutzig-gelbe, durchschei-nende, unregelmäfsig krystallisirte Masse; es läfst sich aberin reinen Krystallen erhalten, wenn man es in kaustischemKali auflöst, und diese Auflösung kochen dheifs mit Essigim Ueberschuls versetzt, worauf das Cystin beim langsa-men Erkalten in sechsseitigen, farblosen, durchsichtigenBlättern anschiefst. Desgleichen erhält man es krystallisirt,wenn man seine Auflösung in kaustischem Ammoniak frei-willig verdunsten läfst; die Blätter fallen dann dicker aus