Druckschrift 
4,1 (1831) Lehrbuch der Thier-Chemie
Entstehung
Seite
392
Einzelbild herunterladen
 

392

Harn.

so kommt sie niemals in Harnconcretionen vor, sondernsie ist mit denselben Farbstoffen verbunden, -welche ihr indie Harnsedimente folgen, und von denen sie eine gelbebis Mahagoni-Farbe haben. Mit Essigsäure läfst sich einTheil des gelben Farbstoffs ausziehen; die Flüssigkeit färbtsich dadurch gelb. Aufserdem enthält sie immer entwe-der Eiweifs oder Blasenschleim; es ist schwer zu sagen,welches von beiden. _ Löst man einen solchen Stein inkaustischem Kali auf, und schlägt dann die Säure durchüberschüssig zugesetzte Chlorwasserstoffsäure nieder, sowird, wenn man die gefällte Harnsäure auf dem Filtrumauswäscht, und die überschüssige Salzsäure entfernt ist,vom Waschwasser eine Materie aufgelöst, welche sich wie-der niederschlägt, wenn das Wasser in die vorher durch-gegangene saure Flüssigkeit kommt. Fängt man diesesWasser für sich auf, und vermischt es mit Salzsäure, sofindet man, dafs sich der Niederschlag gerade so wie dieneutrale Verbindung von Faserstoff oder Eiweifs mit die-ser Säure verhält, und dafs seine wäfsrige Lösung vonCyaneisenkalium gefällt wird. Dieses Verhalten kommtauch dem Harnblasenschleim zu, und es scheint darausliervorzugehen, dafs sich diese Materie in einer ganz ana-logen Verbindung mit Harnsäure befand, wie die, worinsie von Chlorwasserstolfsäure aufgenommen wurde. AlleSteine aus Harnsäure enthalten auch kleine Mengen vonharnsaurem Kali, Natron, Ammoniak und nicht seltenKalk, und hinterlassen daher nach dem Verbrennen einegeringe Menge Asche aus kohlensaurem Alkali und koh-lensaurem Kalk. Zuweilen enthalten sie auch gröfsere odergeringere Einmengungen von phosphorsauren Erden. Diechemischen Eigenschaften, woran man Steine aus Harn-säure erkennt, sind folgende: Sie sind in kaustischem Kalilöslich, wobei sich kaum eine Spur von Ammoniakgeruchentwickelt. Dabei bleibt oft ein Pmckstand von gelatinö-sem phosphorsauren Kalk, der sich, wenn seine Mengenur gering ist, in überschüssigem Kali auflöst. Mit Säu-ren gibt diese Auflösung einen gelatinösen Niederschlag,der sich bald zu einem körnigen Pulver ansammelt.Von