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4,1 (1831) Lehrbuch der Thier-Chemie
Entstehung
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Harn.

sehr wenigen Thieren untersucht worden. Im Allgemei-nen hat man gefunden, dafs der Harnstoff in dem Harnder höheren Thierklassen vorkommt. Der Harn der fleisch-fressenden Thiere ist sauer, wird aber aufserhalb des Kör-pers sehr bald alkalisch von neugebildetem Ammoniak,welches zur Entwickelung eines ganz besonders stinken-den Geruchs beiträgt. Vauquelin, welcher zuerst denHarn vom Löwen und Tieger untersuchte, fand ihn alka-lisch, aber Hieronymi hat gezeigt, dafs er, friscli gelassen,Lackmuspapier röthet. Vauquelin fand, dafs er vielHarnstoff enthält, und dafs dieser leicht farblos erhaltenwerde; dagegen aber fand er keine Harnsäure. Hiero-nymi bestätigte ersteres, fand aber darin Harnsäure inbestimmbarer Menge. Es ist daher unrichtig, dafs bei denSäugethieren diese Säure nur im Menschenharn vorkomme,und die Angabe Coindets, dafs sie im Harn der Affenfehle, bleibt noch zweifelhaft. Dagegen aber kommt dieHarnsäure bei den Vögeln, Amphibien und Fischen vor,und Jacobson hat gezeigt, dafs sie auch in den Nierender Weichthiere gebildet wird. Phosphorsaure Erdsalzefinden sich nur in saurem Harn, und phosphorsaure Al-kalien in dem der fleischfressenden Thiere, fehlen aberin dem der grasfressenden *).

Der Harn des Löwen, Tiegers und Leoparden istin frischem Zustand von Hieronymi untersucht worden,und scheint sich vollkommen gleich zu verhalten. Er istklar, hellgelb, von starkem, unangenehmen Geruch, undsaurem, widrigem und bitterem Geschmack. Bei -j-10°bis 12° variirt sein specifisches Gewicht zwischen 1,059und 1,076, was für den Harn von einem und demselbenIndividuum gilt. Gleich nach der Ausleerung wird er vongebildetem kohlensauren Ammoniak alkalisch; dieses fiifstsich aber durch Hitze verjagen, worauf er wieder sauer

*) W. Brande gab an, dafs Harnsäure im Kameelharn, und phos-phorsaurer Kalk im Harn aller grasfressenden Thiere enthal-ten sei; allein Chevreul hat gezeigt, dafs diefs ein Irr-thum ist.