Bnltersäure.
341
sultate erhalten, als ich nach Proust’s Angaben zu er-warten hatte. Beim Vermischen des Harns mit Schwefel-säure verändert er seinen Geruch und nimmt einen an-dern, sehr unangenehmen, aber eigenen und characteristi-schen an. Bei der Destillation geht alsdann ein farblosesWasser über, welches einen höchst unangenehmen Harn-geruch hat, nicht aber wie von frischem, sondern wie vonHarn, der schon zu faulen angefangen hat. Ich setzte dieDestillation fort, bis dafs ungefähr _' 5 vom ersten Volu-men des Harns zurückblieb. Das erhaltene Destillat rö-tliete das Lackmuspapier, schmeckte aber nicht merklichsauer, und liint erliefs fast keinen andern Eindruck, alsden des Geruches. — Es wurde von Bleiessig, von Kalk-wasser, Barytwasser und salpetersaurem Silber stark ge-fällt, und dieser letztere Niederschlag nicht von Salpeter-säure gelöst. Es wurde mit so viel Barythydrat gesättigt,dafs es alkalisch wurde. Es entstand dadurch ein volu-minöser Niederschlag, der sich bei der Untersuchung alskohlensaurer Baryt auswies. Die Kohlensäure war hier-bei durch Zersetzung von Harnstoff in kohlensaures Am-moniak entstanden, dessen Ammoniak die Schwefelsäurezurück behielt. Bei Verdunstung der filtrirten Baryt-Lö-sung roch sie sehr lange nach dem flüchtigen, durch dieDestillation hervorgebrachten, Riechstoff, und es blieb zu-letzt ein sehr geringer, syrupdicker Rückstand, welcher aneiner trocknen und warmen Stelle zu einer verworren kry-stallinischen, wie ein Barytsalz schmeckenden, Salzmasseeintrocknete. Zur Prüfung auf Essigsäure wurde er mitetwas Schwefelsäure vermischt, und hierbei entwickeltesich Buttersäure in Menge; bei Zusatz von mehr Schwe-felsäure wurde der Geruch stechend und hätte für dendurch Buttersäure versteckten Geruch von Essigsäure ge-halten werden können, wenn nicht der Niederschlag mitsalpetersaurem Silberoxyd erklärt hätte, dafs er von Chlor-wasserstoffsäure kam. — Dieser Versuch zeigt demnach,dafs bei der Destillation von Harn mit Schwefelsäure keinebemerkbare Menge von Essigsäure hervorgebracht wird,die also weder in freiem noch gebundenem Zustande im