Druckschrift 
4,1 (1831) Lehrbuch der Thier-Chemie
Entstehung
Seite
327
Einzelbild herunterladen
 

Harnsäure.

327

man auf ein Filtrum bringt, mit kaltem Wasser auswäschtund ausprefst. Aus der mit dem Waschwasser vermisch-ten Mutteidauge erhält man durcli Verdunsten noch mehr,aber unreineres Salz, welches sich aber nach Wiederauf-lösung in kochendem Wasser rein niederschlägt.

Endlich kann man auch, nach Wöhler, eine unreineHarnsäure auf die Weise rein darstellen, dafs man sie inkaustischem Kali auflöst, und diese Auflösung so langemit Salmiak-Lösung vermischt, als noch ein Niederschlagentsteht. Es scheidet sich hierdurch alle Harnsäure alsharnsaures Ammoniak in Gestalt einer fast durchsichtigenGallerte ab, die nach und nach als ein vollkommen wei-fses Pulver zu Boden sinkt. Man mufs die Flüssigkeitensehr vediinnt anwenden, weil sonst das Ganze zu einersteifen, nicht mehr flüssigen Gallerte zerrinnt. Hat maneinen Ueberschufs von Salmiak angewendet, und die bei-den Flüssigkeiten heifs mit einander vermischt, so bleibtkeine Harnsäure mehr in der gefällten Flüssigkeit zurück,besonders wenn man sie noch bis zur völligen Verjagungdes freigewordenen Ammoniaks erhitzt hat.

Aus dem so gereinigten harnsauren Alkali erhält mandie Harnsäure durch Zersetzung mit Salzsäure. Bei demKalisalz thut man am besten, seine kochende Auflösungin die Salzsäure zu giefsen, weil sonst die Harnsäure leichtetwas Kali zurückhält. Der Niederschlag ist anfangs gela-tinös, verwandelt sich aber nach und nach in kleine, weifse,glänzende Schuppen, die man nun mit kaltem Wasser gutauswäscht.

Nach Henrys Vorschrift soll man die Harnsäuredurch Digestion mit kohlensaurem Ammoniak reinigen,welches die thierischen Stoffe auflösen soll; allein diefsist gewifs eine unsichere Methode, abgesehen davon, dafshierbei der Rückstand eigentlich harnsaures Ammoniak ist,welches durch Digestion mit Salzsäure vom Ammoniak be-freit werden müfste, was von Henry nicht angegeben ist.

Die Harnsäure besitzt, auf die obige Weise dargestellt,folgende Eigenschaften: sie bildet weifse, sich zart anfüh-lende Krystallschuppen, hat weder Geschmack noch Ge-