Druckschrift 
4,1 (1831) Lehrbuch der Thier-Chemie
Entstehung
Seite
272
Einzelbild herunterladen
 

272

Chylus.

Milz nicht entdeckt werden konnte, selbst nicht, nachdemman ohne Einfluß für das Leben bei Menschen und Thie-ren die Milz wegnehmen konnte, und bei ihnen Gesund-heit und Munterkeit allmählig wieder so hergestellt wur-den, dafs man durch diesen Mangel der Milz keine Lebens-verrichtung unterbrochen oder gestört finden konnte.

Nachdem bei den Säugethieren die Flüssigkeit in denSaugadern durch eine oder mehrere Drüsen gegangen ist,ergiefst sie sich endlich in den Ductus thoracicus, unddaraus in das Blut. Bei den Vögeln, Fischen und Amphi-bien dagegen gehen diese Saugadern durch keine einzigeDrüse, und entleeren sich von dem dünnen Darme unddem oberen Theil des dicken in den Ductus thoracicus,aus dem unteren Theil des Darmkanales aber oft in dieVenen des Beckens. Die eigentlichen Untersuchungen überden Chylus sind mit der vom Ductus thoracicus geführtenFlüssigkeit angestellt, da man sie in gröfserer Menge alsdie aus den kleineren Stämmen erhalten kann; sie ist aberdaselbst mit allem aus den übrigen Theilen des KörpersZugeführten vermischt, und kann also nicht anders alseine, mehr oder weniger mit Chylus vermischte Lymphebetrachtet werden. Der Chylus gleicht auch in allen sei-nen Verhältnissen der Lymphe, und man könnte ihn eineunklare röthliche Lymphe nennen, in der inan mit demMicroscop eine Menge von Fettkügelchen aufgeschlammtentdeckt, welche die Ursache seiner Unklarheit sind. Nacheiner Weile gerinnt er, wie Lymphe, und das Coagulumist entweder roth und wird in der Luft noch schöner roth,oder es ist farblos, wird aber in dem Maafse roth, als essich zu einem geringeren Volum zusammenzieht.

Die erste gute Untersuchung über den Chylus wurdevon Reufs und Emmert angestellt. Siefanden, dafs dieFlüssigkeit in den ersten vom Darmkanale kommendenSaugaderzweigen milchähnlich war, sich schlüpfrig anfühlte,aber nicht wie Chylus aus den gröfseren Saugaderstäm-men in der Luft coagulirte. Nachher ist sie untersuchtworden von Vauquelin, FI alle, Alexander Mar-cet, welche ihre verschiedene Beschaffenheit nach ver-

schie-