Druckschrift 
4,1 (1831) Lehrbuch der Thier-Chemie
Entstehung
Seite
98
Einzelbild herunterladen
 

98

Die Lungen und das Atlnnen.

nach bestimmt, worden. Allein es mufs nach dem unglei-chen Trockenheits-Zustande der eingeathmeten Luft ver-änderlich sein^ und wird sich mit aller Sicherheit berech-nen lassen, wenn man die Anzahl der Athemziige in einergegebenen Zeit, die Quantität der Luft, die jedesmal um-gewechselt wird, und den hygrometrischen Zustand deratmosphärischen Luft kennt; denn die ausgeathmete Luftist immer im Maximum von Feuchtigkeit bei der Tempe-ratur, die sie im Körper annahm, und die im Allgemei-nen zu -f-36° anzunehmen ist. Lavoisier und Seguin,welche die Menge des ausgeatluneten Wassers dem Ge-wichte nach zu bestimmen suchten, fanden dafür in 24Stunden 13,704 Gran oder ungefähr 25 Dec. C.Zoll.

Die Ursache des Entweichens von Stickstoff aus demBlute beim Athmen ist schwerer einzusehen. Die Quan-titäten davon, welche beim Einathmen von einem stick-stofffreien Gas abgegeben werden, und wobei die Mengedes entwickelten Stickgases beständig abnimmt, rühren da-her, dafs das Blutwasser, wie alles Wasser, atmosphärischeLuft absorbirt hat, dessen Stickgasgehalt dann durch dasfremde, mit dem Blute in Berührung kommende Gas aus-getrieben wird. Aber der beim Einathmen von atmosphä-rischer Luft vom Blute weggehende Stickgasgehalt mufseinen andern Ursprung haben. Unter den Vermuthungen,die sich hierüber machen lassen, scheint mir die am we-nigsten unwahrscheinlich, dafs, indem Kohlenstoff undWasserstoff in den Lungen oxydirt werden, eine PortionStickstoff frei wird und gasförmig entweicht, die vorhermit jenen vereinigt war.

Man hat bemerkt, dafs beim Athmen aus dem Kör-per verflüchtigte thierische Stoffe mitgeführt werden, unddafs das Wasser, welches man durch Abkühlung aus derausgeathmeten Luft condensirt hat, in einem Gefälse, worines nicht verdunsten kann, durch die Fäulnifs dieser Stoffebald unklar und übelriechend wird. Aulserdem kann dieausgeathmete Luft aus dem Blute zufällig hineingekommeneflüchtige Bestandtheile, wie Alkohol, Aether, Gase unddergl., wegführen. Bei einem Menschen, der Wein oder