Druckschrift 
6 (1859) Das Erbtheil des Vaters Die Aussteuer
Entstehung
Seite
71
Einzelbild herunterladen
 

71

Präsident. Bringt Hacke, Schaufel und Rechen mit.Gärtner (von innen). Gleich, Herr Präsident.

Präsident (geht heftig umher). Meine Hoffnung, mein Stolz

meine einzige Freude!

Gärtner (mit de» Sachen). Was befehlen Sie?

Präsident. Geht, reißt mir gleich den Nosenstock daheraus.

Gärtner (deutet darauf hin). Den Rosenstock?

Präsident. Grabet ihn, hacket ihn heraus, zieht denRechen über den Platz, wo er gestanden hat. Nein tragtSteine darauf, daß er nimmer Frucht mehr trage.

Gärtner. Ach lieber Herr was Sie selbst gepflanzthaben

Präsident. Das habe ich und nun trägt mirs keineFrüchte!

Gärtner. Ach Gott ja Ihnen und jedermann!Präsident (bitter). Und jedermann?

Gärtner. Ei, freilich jedermann! Da bin ich recht stolzdarauf, wenn ich was gezogen habe, daß die Leute dabei stehenbleiben und sich darüber freuen.

Präsident. Und sie dir abbrechen die schöne Blume, diedu gezogen hast?

Gärtner. Wenns Zeit ist, warum nicht?

Präsident. Die erste Blume?

Gärtner. Auch die, lieber Herr. Nur heimlich abrupfenmüssen sie mir sie nicht, sondern schneiden sie hübsch öffentlich undordentlich ab; darauf halte ich alles.

Präsident (steht in Gedanken, steht nach den Rosen hin). Mochtees so bunt zugehen in der Welt wie es wollte bei ihr und hier

war mirs so wohl.

Gärtner. Nicht wahr der Rosenstock soll stehen bleiben?