290
Hofrath. Von ganzer Seele bin ich zufrieden. Wo istIhre Schwester?
Therese. Bei der Wiege; die Kleine ist unruhig, und dieschweigt nicht eher, bis sie kommt, weil sie sich immer mit ihr znschaffen macht.
Hofrath. Sie scheint ein gutes Mädchen zu seyn.
Therese. Gewiß. Ich sage nicht zn viel — sie istdas bravste Mädchen im Orte. Es wird ihr auch noch gutgehen.
Hofrath. Ihr scyd wohl arm, Ihr guten Leute?
Therese. Uebrig bleibt nichts. Aber wir sind noch keinenAbend ohne Essen schlafen gegangen. Freilich der Pacht istschwer, und von diesem Jahre müssen wir sechzig Thaler schuldigbleiben —
Hosrath. Wie wollt Ihr die gewinnen? Es ist un-möglich.
Therese. O ja. Die Schwester und ich, wir wollen jedenAbend drei Stunden länger spinnen. Mein Mann will auchNachts noch fischen, und der Aelteste muß in die Stadt und ver-kaufen. Nun kann eins zu Hause bleiben und arbeiten. Das
konnte vorher auch nicht seyn. So bringen wir es heraus.
Hofrath. Dabei muß Eure Gesundheit zu Grunde gehen.
Therese. Gott wird schon ein Einsehen haben; er weiß,daß wir cs nicht anders können.
Hosrath. Wenn es aber doch wäre, und Ihr brächtet daunden Pacht nicht zusammen?
Therese. Ach! — Ja — so werden wir aus dem Pachtgewiesen.
Hofrath. Was dann anfangen?
Therese. Dann müßten wir in Tagelohn gehen, und so