Druckschrift 
1 (1829)
Entstehung
Seite
165
Einzelbild herunterladen
 

165

Aber nicht in ängstlichem Entsagen,

In wehmnth'ger Seufzer Traurigkeit,

Nicht mit sehnsuchtsvollen bangen KlagenBringe hin des Lebens kurze Aeit.

Leben sollst du, lebe du das Leben!

Immer kindlich, heiter bleib' dein Sinn,

Denn verweilend nie die Horen schweben.

Nütz' es, was sie bringen ist Gewinn.

Freue dich der gegeuwärt'gen Güter;

Deine Seele sehne nicht zurück,

Du bist sonst des Todten Hüter,

Du verlierst des kurzen Lebens Glück.

Aber wer dem Sinnenreiz gefröhnet.

Dem verschließet sich des Tempels Thor;

Es verstößt den, welcher Tugend höhnet.

Der Kamönen jungfräulicher Chor.

An dem Staube sollest du nicht kleben,

Gründ' dein Glück nicht auf Vergängliches.

Ihm wird Dauer kein Bemühen geben.

Immer bleibt es Unerschwängliches.

Nichts des Irdischen die Zeit verschonet;

Gleich dem Baume, durch den Frost entlaubt.Steht der Mensch, in dem nichts Höhres wohnet,Mit der Tugend jeder Lust beraubt.Immerwährend lebt in blüh'nder Jugend,

Gleich den Göttern in des Himmels Höh'u,

Der das Ew'ge nicht vergaß, noch Tugend;Solchem wird der Frohsinn nie verweh'n.