genannt Livei tksoloxioi. 373
Frieden, wie die Hirten, so das Vieh auf die Weide führen, al-lein sorgen für des Viehes Futter; sondern weltliche Obrigkeit
über die Menschen hat vornehmlich zwei Gebote: Zucht und Frie-den zu erhalten. Als: sie ist schuldig, mit großem Ernst, Eiferund Grimm, Ehebruch, Blutschanden, und Unreinigkeit wider dieNatur, zu strafen, wenn gleich diese Laster den Frieden nicht be-langen. Also soll man vom ganzen Gesetz, der ersten und an-dern Tafel wissen, daß die weltliche Obrigkeit schuldig ist, äußer-liche Zucht nach allen Geboten zu erhalten. Nun ist äußerliche
Abgötterei, Gotteslästerung, falsche Eide, Unrechte Lehre, Ketzereiwider die erste Tafel. Darum ist weltliche Obrigkeit schuldig,
diese Laster, äußerliche Abgötterei und Gotteslästerungen u. s. w.,zu verbieten, abzuthun, und zu strafen. Dieses ist klar aus die-sem Spruch, 1. Tim. 1: „Das Gesetz bleibet den Ungerechten,Ungehorsamen, Verächtern Gottes" u. a. m. Hier will der Apo-stel, daß man schuldig sei, die epikurischen Reden und allerleiGotteslästerung zu verbieten und zu strafen. Psalm 2: „Solasset euch nun weisen, ihr Könige, und lasset euch züchtigen, ihrRichter auf Erden!" Psalm 24: „Ihr Fürsten, lhut eure Thoreauf, und erhöhet die Thore in der Welt, daß der König der Eh-ren hinein ziehe!" d. i.: Ihr Fürsten, thut dem Herrn Chri-sto eure Fürstenthümcr auf, und lasset sein Evangelium darinpredigen, daß Gott recht erkannt werde, und die Leute ewigesLeben erlangen. Matth. 10: „Wer Mich verläugnet vor denMenschen, den will Ich auch verläugnen vor Meinem himmli-schen Vater!" Matth. 17: „Dieser ist Mein geliebter Sohn,an dem Ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!"
Aus diesen und dergleichen Sprüchen ist ganz gewiß undklar, daß weltliche Obrigkeit schuldig ist, das heilige Evangeliumselbst anzunehmen, zu glauben, zu bekennen, und Andere zu rech-ten Gottesdiensten zu weisen; und derhalben äußerliche Abgötte-rei und falsche Lehre zu verbieten und die Halsstarrigen zu stra-fen. Und ist wahrlich zu beklagen, daß man erst daran zweifelnwill, ob weltliche Obrigkeit. Gottes Ehre, ihre, und gemeinsameSeligkeit suchen soll? So doch dieses Amt vor allen DingenGott dienen, und sein Werk zu Gottes Ehre richten und leitensollte!
Darum, obgleich wenige Könige und Fürsten Gottes ach-ten; so hat doch Gott für und für etliche große oder kleine Re-genten gegeben, die zu Förderung des Evangelii gedienet. Dennweil Gott diesen Stand eingesetzt hat, so läßt Er ihn nicht ganz