350 Hauptartikcl christlicher Lehre,
gehet dennoch nicht eilender fort. Diese sind faul und suchensanftes Leben, ungeachtet göttlicher Gebote; viel weniger beladensie sich selbst mit ungezwungener Uebung oder Arbeit.
Weiter sind andere gottesfürchtige Personen, die mit Sorgeund Arbeit beladen sind; diese müssen mehr Unruhe und Qualhaben, denn sie sie wohl ertragen können.
Auch sind Etliche, die daneben dennoch etliche geordnete Hebun-gen halten wollen und können, als die stark sind und nicht zuhoch beladen, und haben Gottesfurcht. Diese erinnert St. Pau-lus, daß solches dieß Maß haben soll, daß man nicht Verdienstder Gnade und Gottesdienst aus erwählten Cerimonien machensoll; item, daß man dem Leibe nicht Schaden thue. Denn dießist auch geboten, daß man dem Leibe seine gebührliche Ehre thun,und ihn nicht überladen soll, auf beide Wege, mit Völlerei, Un-zucht, muthwilliger Gefährlichkeit, oder schädlichem Hunger, undgesuchter unnöthiger Härtigkcit in Arbeit. Denn Gottes Willeist, daß wir erkennen, daß Leben, Leib und Sele, Gesundheitund alle Sinne, göttliche Werke und Gaben und sein Bild sind.Darum Er auch geboten hat, daß man es nicht tödten, oder un-ordentlich und muthwillig zerstören und verwüsten soll.
Diesen Verstand hat auch der andere Spruch in St. Paulo,1. Tim. 4: „Die leibliche Uebung ist zu Wenigem nützlich; aberGottseligkeit ist zu Allem nützlich." Hier macht er Unterschiedzwischen gebotenen Werken, und ungebotener Ordnung. Gebo-tene Werke sind hohe, große, nützliche Werke; die fasset er allein das Wort: Gottseligkeit, d. i. Gottesfurcht, Buße, rechter Glau-be und Anrufung, Geduld, Keuschheit, Mäßigkeit, Treue undFleiß im Stande und Beruf, daß du zu Gottes Ehre dienest u.s. w. Diese Tugenden sind zu Allem nützlich; d. i., Gott gibtdafür in diesem Leben Mehrung der geistlichen Gaben, gutenRath, Trost, Reinigkeit, Wohlfahrt im Beruf, Frieden, Nahrungu. s. f.; item, reiche Belohnung im ewigen Leben.
Dagegen aber ist leibliche Uebung zu Wenigem nützlich. Die-ses Stücklein ist geredet von bestimmtem Maß und Weise, als:so Einer des Tages nicht mehr, denn Einmal essen wollte. Sol-che bestimmte Maße soll man viel geringer achten, denn die ge-botenen Werke, und soll nicht gemeine Gesetze daraus machen,sondern es mag ein Jeder sich selbst nach seiner Gelegenheit, Zeitund Ordnung solcher Werke bestimmen.
Und spricht St. Paulus deutlich: „Sie sind zu Wenigemnützlich;" d. i., so man sie ohne Jrrthum, ohne Heuchelei, und ohne