Antwort der Fragstücke von kaiserl. u. päpstl. Gewalt. 2(Ü
licher Negierung, davon der Papst ohne den Kaiser Nichts zugebieten hat.
Also, da der Papst gebot, Duelovious Lrrvarus sollte vomReich abtreten ohne Urthcil und Znthun der Kurfürsten, und ge-bot den andern Fürsten, wider Ludovicum zu ziehen, ist Ludovi-cus nicht schuldig gewesen, gehorsam zu sein. Denn die Er-wählung und Entsetzung gehört in weltliche Regierung; viel we-niger waren die andern Fürsten schuldig, dem Papst gehorsam zusein. Der Gehorsam gegen weltliche Obrigkeit hat auch seineRegel: Date Deo, guae Del sunt, Oaesari, guae sunt O.ro-saris! (Gebet Gott, was Gott, und dem Kaiser, was des Kai-sers ist.) Der weltlichen Obrigkeit ist man schuldig ordentlicheEhrerbietung, Tribut und leibliche Arbeit. So sic aber gebeut,wider Gott zu thun, als Nabugdonoscr gebot, das Bild anzube-ten, soll diese Regel gehalten werden: Oportet Deo magis obcliroguanr lloiuinidus. (Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen.)
Die siebente Frage:
Welche Gewalt die römischen Kaiser über die Kirche und Geist-lichen gehabt und noch haben?
Kurze und gewisse Antwort ist: wie über alle andern Untcr-thanen, laut der Regel: Einem wie dem Andern; so geschiehstKeinem Unrecht. Die Aemter sind unterschieden: Prcdigtamt unddas Schwert. Der Prediger soll Allen die einzige wahrhaftigegöttliche ganze Lehre, Gesetz und Evangelium zugleich vortragen,wie Johannes zugleich dem Herodes, den Kriegsleuken, seinenJüngern und den Pharisäern predigte. Also soll auch die welt-liche Obrigkeit ihre Hoheit und Stand haben, und soll in äußer-licher leiblicher Regierung ihr Amt gleich üben gegen alle Men-schen, sie heißen Laien oder Bischöfe oder Priester; diesen Allen sollsie, zu äußerlicher Zucht, die zehn Gebote verkündigen, und Ex-secutor sein; den Gehorsamen in äußerlichem Wandel, ihren Leib,Leben und Güter wider Mord, Unzucht und Räuberei schützen,und dagegen die Lästerer, Mörder, Ehebrecher, Räuber und Diebemit großem Ernst strafen und wegräumcn, sie heißen Laien, Bi-schöfe oder Priester.
Diese Gleichheit ist geboten, Nöm. 13: die Obrigkeit sollgute Werke ehren und böse strafen, und Gott spricht oft: DerRichter soll gleich sein, sin« aoveptione porsonuruur (ohne An-sehn der Personen). Und wie die hohe Obrigkeit, dieweil sie denTribut ordnen soll, den weltlichen Dienern, Kanzlei und Kriegs-