Wormser Artikel über die streitigen Religionspunkte. 203
Gottes in dieser seiner Ordnung im Abendmahl also wahrhaftig,wesentlich, lebendig und ganz gegenwärtig, daß er uns in dieserNießung mit Brot und Wein seinen Leib und Blut gibt, ma-chet uns Gliedmaßen seines Leibes, applicirt uns sich selbst, seinegnädige Verheißung und wirkt Trost in uns. Also spricht Hila-rius: Ikaeo 8Uinta et Iiaustu kseiunt, ut OIrristus sit in no-lns et no8 in ipso; d. i.: so man dieses genießt und trinkt, istder Herr Christus in uns, und wir in Ihm. Diese Worte re-den klar von der Nießung, wie auch ausdrücklich Paulus vonder Nießung redet: „das Brot ist die Gemeinschaft mit dem Leibdes Herrn Christi." Dieses kann nicht außer der Nießung ver-standen werden; das Brot ist dicß, damit Gemeinschaft des Lei-bes Christi uns mitgetheilet wird, und ist öffentlich, daß die altenvornehmen Scribentcn viel anders geredet haben, denn hernachdie Papstischen. So sind auch die griechischen eanonss Musasungleich. Was weiter von dem rechten Brauch und Mißbrauch,und von der Messe zu sagen, ist in dieser Schrift nicht verfasset,ist aber in andern unfern Schriften erkläret.
So auch Zwinglius oder Andere allein dieses sagen: es seinur ein äußerlich Zeichen, und der Herr Christus sei nicht we-sentlich dabei; item, es sei nur ein Zeichen, dabei sich die Chri-sten kennen; diese Reden sind unrecht.
Bon diesen drei Specialartikeln ist die Unterredung zu Wormsnicht vollzogen, dieweil Brentius den Oslander nicht wollte stra-fen lassen, wiewohl er in der Lehre von der Gerechtigkeit mit unseinig ist, sagt aber, wir verstehen den Oslander zu hart.
Dieweil denn diese Unterredung unter uns ist verhindert wor-den, und unser Wenige gewesen sind, habe ich die Sachen also hän-gen lassen, besonders, dieweil viel ungelehrte und zänkische Leuteallein valumni.-rs und Unfrieden suchen, die armen unverständigenLeute zu betrüben und irre zu machen; dagegen wir Alle ein-trächtig geschlossen, bei der Confesslon unserer Kirche zu Augsburg,Anno 1530 überantwortet, mit Gottes Hilfe zu bleiben. —