198 Wormser Artikel über die streitigen Religionspunkte.
kriAltlior Alaoio*). Wider diesen Osi'andri Jrrthum ist unser Ar-tikel gestellet, zu Erhaltung der Wahrheit und des rechten Tro-stes, nämlich: daß die Person also vor Gott gerecht, d. i., ange-nehm sei, so der Glaube auf den Mittler Christum und seinenGehorsam vertrauet. Also treten die Propheten und alle Heiligenvor Gott, suchen Barmherzigkeit um des Mittlers willen, sinddurch diesen Glauben gerecht und haben Friede mit Gott, wieDavid spricht: 8alvunr INS iao proptvr ruisericoiiiianr tuain**).Denn obwohl die Verneuerung anfangt, so ist sie doch nicht die-ses, darum die Person vor Gott gerecht und gefällig ist; dennes ist noch in diesem sterblichen Leben Sünde im Menschen, undbleibt der Spruch: lotus inunllus «it reus Deo***). Darummuß dieser Trost für und für bleiben, daß die Person durch Barm-herzigkeit, von wegen des Mittlers und seines Gehorsams gerechtsei, d. i., Gottgefällig, allein durch den Glauben. Nach diesemTrost ist wahr, daß Gott im Menschen wohnet, und Verneuerungfolget, und daß dieselbe Verneuerung Gottes Werk ist, wie vieleSprüche sagen, Joh. 14: „Wer mich liebet, der wird meineRede bewahren, und mein Vater wird ihn lieben, und wir wer-den zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen." 1. Joh. 4:„Er ist in uns, denn von seinem Geist gibt Er uns." Aber obgleich dieses neue und angefangene Licht und angefangener Ge-horsam in Gläubigen auch Gerechtigkeit genennet wird (welchesrecht zu verstehen ist, nämlich darum, daß der Gehorsam gegenGottes Gebot also anfängt, und in Gläubigen Gott gefällig ist,ja es ist Gottes Werk;), so wissen doch alle Heiligen, daß da-neben diesem Anfang des neuen Gehorsams und göttlicher Wir-kung in uns in diesem sterblichen Leben große Schwachheit undSünde bleiben, wie der Psalm spricht: „Vor dir ist kein Leben-diger gerecht" und Hiob spricht, Kap. 9: „Ich weiß wahrlich,daß kein Mensch gerecht ist vor Gott;" und ist diese nothwen-dige Lehre sehr oft in göttlicher Schrift wiederholet.
Darum ist dieser Trost für und für im Leben zu wissen,daß die Person nicht von wegen der folgenden Neuigkeit, sondernallein durch Glauben aus Barmherzigkeit um des Herrn Christiwillen gerecht, d. i., Gott gefällig sei.
Diese Lehre ist klar in göttlicher Schrift ausgedrückt, und
*) Die zugerechnete Gerechtigkeit ist kälter denn Eis.
**) Errette mich um deiner Barmherzigkeit willen.
***) Auf daß alle Welt Gott schuldig sei.