160 Fragen von cilf streitigen Religionsartikeln.
Walt oder Gerichte und der Kirchengcrichte. Tyrannen gedenken,sie mögen thun was sie wollen, ohne alle göttliche und ohne na-türliche Gesetze, wie Onligula, Kor» etc. Daß aber dieses nichtrecht ist, sondern allein teuselische Unsinnigkeit, das wissen alleVerständige; darum, so wir hier von weltlicher Herrschaft reden,wollen wir nicht von Tyrannen reden, sondern sagen also: Dieweltliche Herrschaft hat erstlich die Stimme des natürlichen Ge-setzes, und soll danach sprechen, und nicht dawider.
Dazu aber hat die weltliche Herrschaft noch einen Befehl,daß sie zu dem natürlichen Gesetz, das gemein ist, etliche beson-dere Zusatze, als ästerininntivnvs oircuinstantiarum *) ordnensoll, als das natürliche Gesetz saget insgemein: Du sollst nichtstehlen, und den Dieb soll man strafen; aber die Herrschaft solldiesen Zusatz machen, wie man den Dieb strafen soll, mit Ge-fängniß oder mit dem Tod, und soll mit leiblicher Gewalt disLxseoutio thun. Es hat auch weltliche Herrschaft diese Auctori-tät, solche ihre Gesetze abzuthun, zu andern, zu scharfen, oderzu lindern, nach vernünftigen Ursachen; item, in neuen leiblichenSachen, neue Gesetze zu machen, doch nicht widerwärtig demnatürlichen und göttlichen Gesetz; item, wo Zweifel vorfallt, eineErklärung zu machen, aus vernünftigen Ursachen, und diese Er-klärung ist kräftig von wegen der Auctorität, die Gott der welt-lichen Herrschaft gegeben hat; doch daß sie nicht widerwärtig sei,göttlichen und natürlichen Gesetzen.
Aber mit der Kirche Auctorität und Kirche Gerichten ist csnicht also, und ist zu allen Zeiten gewöhnlich gewesen, daßdie hohen Regenten, Papst und Bischof, das Kirchenregiment ha-ben ganz gleich machen wollen der weltlichen Herrschaft und habengesagt, Papst und Oonoiliu haben auch solche Auctorität im Glau-ben und Gottesdiensten, Erklärung zu machen, die neue ArtikeldeS Glaubens sind, item, neuen Gottesdienst zu ordnen rc.
Und ist erstlich hier zu merken, daß in dieser Frage nichtgeredet wird von äußerlichen menschlichen Mittelordnungen in denKirchen, die ein jeder Pfarrer oder Bischof an seinem Ort zuordnen Macht hat, nach Gelegenheit der Zeit und des Volks, als :welche Tage die Predigt und Communion soll gehalten werden.Von solchen Mitteln ehrlicher Ordnung wird hier nicht geredet,davon Paulus so spricht: „Es soll Alles in denKirchen zierlichund ordentlich gehalten werden;" sondern die Frage ist hierin von
*) Bestimmungen der Umstände.