86 Der Lheologen za Wittenberg Rathschlag u. Bedenken rc.
und wo die Chur und Fürsten und Städte nicht zusammen ge-halten, so hätten dieselbigen frevelen Leute mehr Raum und Frei-heit gehabt, und ist nicht Zweifel, wo diese Einigkeit zertrennetwürde (das Gott gnädig verhüte!), da würde wiederum ein grau-sam Außreißen werden mit mancherlei Opinion und Secten.
Zum dritten, so beweiset das Werk selbst jetzund, daß Gottdieser Einigkeit gnädige Hilfe erzeigt; denn man weiß, daß einGegenbund mit großer Klugheit prakticirt und gemacht ist, darin-nen nicht geringe Fürsten gewesen: König Ferdinand, HerzogGeorg, Baiern, Mainz, Braunschweig. Nun sind sie denn Meh-rern Thcils todt, und ist der frevele Mensch von N., der sich füreinen Hauptmann aufgeworfen, gefangen, welches Alles GottcSWecke sind, und stimmen mit der Regel: Was nicht aus Gottist, das stehet nicht fest und fallet bald von sich selbst in Hau-fen; wie auch die gemeine Regel sonst heißt: Was gut ist, dashält sich zusammen, und das Böse zerstöret sich selbst; dagegensieht man, daß diese Kirchen und Herrschaften, so das heiligeEvangelium ehren, wiewohl sie große Kosten, Arbeit und Gefähr-lichkeit tragen, gleichwohl durch Gottes Gnade noch stehen, undist ihre Auctorität nicht gefallen, sondern erhöhet.
Diese Ursachen bewegen uns, daß wir nicht rathen, dieseEinigkeit zu zerreißen, bitten vielmehr, daß der allmächtige Gottherzliche, beständige, unzertrennliche Einigkeit in der Fürsten undRegenten Herzen geben wolle, wie unser Heiland der Herr Chri-stus vor seinem Leiden mit großem Ernst gebeten hat, daß Gottden Lehrern und Regenten in den Kirchen wahrhaftige Einigkeitgeben wolle; welches wir auch von Herzen mit Christo unsermHohenpriester bitten u--,) begehren; denn cs ist kein Zweifel, sobald die jetzige Einigkeit zertrennet wird, so werden neue Sectenund opiniones mit Haufen folgen, welches christliche weise Re-genten billig, so lange immer möglich, verhüten sollen. Mansieht, wie sist christliche Kirche ein bloß schwach tlorpus ist, daslcichtlich von einander fällt, so man es nicht mit großer Weisheit,Geduld und Freundlichkeit zusammen hält. Dieses ist wohl zubedenken, und man darf nickt eilen zur Abtrennung und Zerstö-rung-; wir haben große Furcht von künftiger Zeit, denn es wirdder Teufe! also bald ein Loch suchen, die Fürsten und Herrschaf-ten, die jetzt in ziemlicher Einigkeit sind, von einander zu reiße»;man darf ihm den Weg nicht weisen.
Dieses ist nun gesagt, daß wir für christlich und nützlichachten, daß diese Chur und Fürsten, Stände und Städte, so jetzt