08 Relation des gehaltenen Gesprächs in ReligionLsachcn
Denn wir lehren dieses auch mit großem Fleiß, daß in Be-kehrten sollen und müssen folgen Früchte der Buße, das ist, einneues Leben, oder geistlicher Gehorsam in Gottes Geboten. Undso St. Paulus spricht: „Gebet eure Liebe zu einem lebendigenund heiligen Opfer;" unterweiset er uns vom rechten Gottes-dienst, sagt, wir sollen heilige Opfer sein, d. i., fliehen alle Un-reinigkeit, Geduld haben in Verfolgung von wegen Bekenntnißder Lehre, und in andern gemeinen Trübsalen, als Opfer, dieman schlachtet. Doch sollen wir lebendige Opfer fein, d. i.,die wir ein künftig und ewig Leben haben werden, darum wirauch Gott mitten im Tode preisen sollen. Dicß sind rechteFrüchte der Buße und Uebungen, dadurch die Wurzeln der Sün-den ausgerottet werden, wie Augustinus spricht.
Dabei lehren wir auch, daß gemeine und besondere Trüb-salen gelindert werden von wegen der ganzen Buße und allerleiguten Werks der Gottesfürchtige», wie geschrieben stehet, Esaiasam ersten und acht und fünfzigsten. Und St. Paulus spricht:„So wir uns selbst richten, werden wir nicht vom Herrn ge-richtet." Dieses kann nicht anders, denn von der ganzen Bußeverstanden werden, und ist nicht geredet von den Genugthuun-gen, davon sie sagen, daß sie gelten, ob sic gleich nicht in Gna-den geschehen.
Dieses aber laugnen wir nicht, daß die Kirche möge denöffentlichen Sündern eine Strafe auflegen, zum Epcmpel oderZucht, wie wir solches auch halten in unfern Kirchen, so manWiedertäufer, die widerrufen, annimmt, oder Todtfchlager, die dasSchwert nicht richtet. Doch ist nicht nöthig, die alten Ordnun-gen der Satisfaction wiederum aufzurichten, die durch Jrrthumgestiegen, und den Gewissen viel gefährlich sind; als daß maneinem Ehebrecher eine lange Zeit gebietet, sich von seiner ehelichenHausfrau zu enthalten.
Es scheinet auch, als sind die Bischöfe erstlich derhalbcndesto scharfer gewesen, dieweil die heidnische Obrigkeit Ehebruchund etliche mehrere Laster nicht pflegt zu strafen. Nun soll mandie Obrigkeit lehren, daß sie öffentliche Laster zu strafen schuldigist. Mil diesem Ernst könnte man die Zucht besser erhalten, dennmit den Eercmonien der Genugthuung.
Es ist auch gefährlich, unter einander mengen den DienstdcS Evangeliums, und das weltliche Amt. Der Diener des Evan-geliums lehret von wahrhaftiger Reue des Herzens, tröstet daserschrockene Gewissen und lehret, daß wir nicht durch Verdienst