66 Relation des gehaltenen Gesprächs in Religionssachen
sen, bis sie wieder zur bürgerlichen Gesellschaft angenommen. Nunsind in der Kirche bemeldte Strafen mit der Zeit gestiegen, dader Jrrthum dazu kommen, daß man dadurch Vergebung derSünden verdiene. Als sie aber zu hoch gestiegen, sind sie wie-derum gefallen, und bleibt davon ein kleiner Schatten, und derName. Davon vom Gegentheil gesagt wird: dieweil Gott ge-recht sei, und ein Stcafcr der Sünder, so vergebe Er nicht, ohneVerwechselung der Strafe. Und sagt weiter: die Strafen desFegfeuers werden vergolten mit Uebermaß der Werke, die der Ab-solvirende dem Beichtenden auflegt, die doch sonst nicht von Gottgeboten, und daß diese Werke gelten und Strafe bezahlen, obsie gleich nicht in Gnaden geschehen. Diesen Jrrthum, so in dieKirchen eingedrungen, ist nöthig zu verwerfen.
Denn es ist nöthig, daß in der Kirche erhalten werde dieLehre von Vergebung der Sünden, um Christi willen, ohne un-seres Verdienst. Jcem, vom Glauben. So ist auch nöthig zuwissen, daß Werke ohne Gottes Wort eingesetzt, nicht Gottes-dienst sind, wie geschrieben stehet: „Vergeblich ehren sie michmit Menschcngeboten!"
Daß man aber dagegen spricht: Gott sei gerecht und Stra-fer der Sünden, ist wahr, daß Gott auch der Auserwahlten Sündestraft. Erstlich mit wahrhaftigen Schrecken in der Reue, davonDavid spricht: „Herr, strafe mich nicht in deinem Grimm!" UndEzechias: „Wie ein Löwe, also hat er mir alle meine Gebeinezerschmettert." Diese Schrecken sind viel schärfere Strafen, dennalle «atioiaotiones.
Zum andern: So folgen auch oft besondere Strafen nachder Bekehrung von wegen voriger Mißhandlung; als da DavidsEhebruch gestraft wurde, und allezeit gehen auch unter den Hei-ligen solche Strafe, die Gott auflegt, wie im Psalm geschriebenist von den Auserwahlten: „Ihre Sünde will ich mit der Ru-the heimsuchen." Item, St. Petrus spricht: „die Strafe wirdangcfangen vom Hause Gottes."
Denn Gott will die Seinen in Trübsal halten, fleischlicheSicherheit zu wehren, und daß dagegen Gottesfurcht, Buße, Glau-ben und Anrufung zunehmen. Gleichwohl sind nicht alle Trüb-sale für Strafen besonderer Sünden zu halten. Wie allezeit diehöchsten Lichter in der Kirchen, die Propheten, Apostel und an-dere hochbegabten Heiligen, durch besondern Rath Gottes, die här-teste Verfolgung und größeste Elend gelitten. Denn Gott willseine Kirche in diesem Leben, nicht allein gemeinen Plagen, die