58 Relation des gehaltenen Gesprächs in Neligionssachen
zählung sei darum nöthig, daß man könne den Beichtenden eineLatiskictio, oder Genugthuung auflegen.
Die dritte Ursache, daß solch Gebot von der Erzählung dieGewissen in Zweifel führe, dadurch der Glaube gctilget wird.Diese schädlichen Jrrthümer sind gefolget aus dem Wahn, daßdie Erzählung ein nöthiges Ding sei, und das ist der Ursprungder Satisfaction oder Genugthuung, daran Gotr Mißfallen hat.
Wie nun St. Paulus das Gesetz Mose aufhebt, unddie Christen ernstlich vermahnet: „Bestehet in der Freiheit, damituns Christus befreiet hat w." Nämlich darum, daß man dieCeremonien des jüdischen Gesetzes nicht sollte halten für nöthig,als Gottesdienst, oder damit man Vergebung der Sünden ver-diene, also müssen wir auch streiten, ob der Freiheit von demGebot der Erzählung, auf daß gottesfürchtige Gewissen verstehenmögen, daß Vergebung der Sünden nicht gebunden sei an dieErzählung oder Latlskaotio. Item, damit nicht der Glaube ge-tilgt oder unterdrückt werde durch Zweifel oder Verzweiflung, soaus solchem Wahne folget.
Wir reden aber jetzt nicht von der Beichte, so vor der Kir-chen öffentlich geschiehst, in welcher die Kirche von offenbaren La-stern urtheilet, denn daselbst werden solche Laster erzählet undgemeldet, wie sonst vor weltlichem Gericht; sondern wir reden all-hier von der heimlichen Beichte, in welcher min die Absolutionbegehret, für Gott, durch des Priesters Mund, dem Gewissen zuTrost, wie den verständigen Christen solcher Unterschied wohl be-kannt ist; zwischen öffentlichem Gericht oder Urtheil der Kirchen,und zwischen diesem Stück des Amts oder Dienstes, dadurch dasEvangelium dem Gewissen insonderheit zugefprochen und zugeeig-net, oder Sacramcnt gereicht werden. In solcher Beichte, darindie Absolution begehret wird, sagen wir, daß nicht Noth ist, alleoder etliche, viele oder weniger Sünde zu erzählen, aus diesenGründen oder Ursachen.
Die erste Ursache.
Dieweil Vergebung der Sünden umsonst und ohne unserVerdienst geschenket wird, soll kein Ding daran gehängt werden,als nöthig, ohne ausgedrückten göttlichen Befehl.
Nun wird aber die Erzählung geboten und gefordert, alsnöthig zur Vergebung der Sünden, so doch Gott nicht befohlenhat die Sünde zu erzählen, sondern will, daß Vergebung soll einlauteres Geschenk sein, nicht von wegen unseres Verdienstes, auf