44 Relation des gehaltenen Gesprächs in Reli'gionssachcn
ob der Sohn Gottes vom Vater aus seinem Wesen sei, oderaus Nichts geschaffen wäre.
Hier ist die Nothdurst gewesen, ernstlich darauf zu halten,daß man rechten Verstand vom Sohn Gottes erhielt, daß Erwahrlich von des ewigen Vaters Wesen sei, wie Johannes am1. geschrieben. Darum nach bemeldcter gleißender Vergleichungder Streit heftiger geworden, und hat das weitläufige Wort mehr-Parteien gemacht, denn zuvor.
Nun hat sich in der Kirche solche weltliche Weisheit mehr-mals erzeigt, gewisse klare göttliche Lehre und Befehl, mit glei-ßenden Deutungen zu lenken, dadurch Vergleichung und Einigkeitzu machen, und ist eben solches diese vergangenen zehn Jahreauf mancherlei Form versucht worden.
Wiewohl aber die hohen Regenten schuldig sind, auf Einig-keit der Kirche zu arbeiten, so soll doch solches mit rechtem Maße,nicht mit Unterdrückung nothiger göttlicher Wahrheit geschehen,und soll der Befehl vom Himmel mit klarer Stimme durch denewigen und lebendigen Gott, Schöpfer aller Dinge, von seinemSohne Christo gegeben, allen andern Sachen vorgezogen wer-den, nämlich: „dieser ist mein lieber Sohn; den sollt ihr hö-ren!" Darum, wiewohl Friede und Einigkeit, ruhige Negierung,und das Leben selbst gut und groß zu ackten, so soll doch Er-haltung der wahren und reinen Lehre des Evangeliums viel grö-ßer und höher geachtet werden.
Es befindet sich aber in vielen vorgenommenen Vergleichun-gen, die etliche Jahre anher versucht, allezeit, daß die päpstlichennie Anderes gesucht, denn ihren Vortheil, nicht allein ihre Hoheit,Güter, Gewalt und Wollust, sondern auch ihre groben Jrrthü-mec und Abgötterei zu erhalten, und also ihren Stolz und Trotzauszuführcn wider Gott, dazu sie doch bisweilen die schönen Wortevergeben: eine Reformation vorzunehmen, und den Pelz ein we-nig zu lausen.
Sind nun Etliche, die es nicht übel meinen, davon ich nichtrede; aber zu Regensburg hat man grob genug gesehen und ge-griffen, wie der größcstc Haufe der Bischöfe gcsinnct ist, da siesich öffentlich und trotzlich haben vernehmen lassen, auch diejeni-gen Jrrthümer nicht fallen zu lassen, welche die, so aus ihremTheil zum Gespräch verordnet, gestraft und verworfen haben.
Und scheinet wohl, daß Viele unter den Bischöfen widerihr eigenes Gewissen handeln, oder ganz Epikuräcr sind, denken