8 Ob vor Gericht hadern unrecht und wider Gott sei?
Es ist aber dennoch offenbar, daß der Beklagte dießfalls nichtUnrecht thut, daß er sich vor dem Gericht darstellt, sintemal erauf das Gebot der Obrigkeit allda Gehorsam leistet, welcher unsGott gebeut gehorsam zu sein, Rom. 13.
Man hält den Gerichtshandlungen auch diesen Spruch ent-gegen, Matth. 5: „Sei willfertig deinem Widersacher bald, die-weil du noch bei ihm auf dem Wege bist, auf daß dich der Wi-dersacher nicht dermaleins überantworte dem Richter, und derRichter überantworte dich dem Diener, und werdest in den Ker-ker geworfen. Ich sage dir: Wahrlich, du wirst nicht von dan-nen heraus kommen, bis du auch den letzten Heller bezahlest."Aber dieser Spruch soll verstanden werden nach den Worten Pau-li, Rom. 12, da er sagt: „So viel an euch ist, so habt mitallen Menschen Frieden." Wir aber sollen Niemanden beleidigen,oder je auf's wenigste wiederum versühncn und abbitten, wennwir Jemanden beleidiget haben.
Wollen aber andere Leute ihnen nicht Friede haben, so istes Niemandem verboten, die Obrigkeit um Hilfe anzusuchen. Unddieser Spruch Christi lehret: die da Unrecht haben, die sollensich wiederum mit denen versühncn, so sie mit Unrecht beleidigethaben. Darum thut dieser Spruch Nichts wider mich; denn ichsage nicht, daß es christlich sei, Einen mit Unrecht vor Gerichtzu ziehen.
St. Paulus zu den Korinthern 1. Kor. 6 verbeut, vorheidnischen Richtern zu hadern. Das geschieht aber um Aerger-niß willen, nicht daß vor dem Gericht hadern unrecht sei; dennsonst dürfte man auch vor den Richtern, welche wir selbst wäh-len, das Unsere nicht rechtlich ansprechen.
Und am selbigen Ort, 1. Kor. 6, sagt St. Paulus auch,es sei schon ein Fehler, daß unter den Christen Hadersachen sind.Aber damit straft er nicht den Theil, der der Sachen Recht,sondern der ihr Unrecht hat, denn sie können nimmermehr beideRecht haben; sondern es muß allewege der eine Theil Unrechthaben. Darum fehlet es nimmermehr, es muß in Hadersachcnetwas Fehls haben, um des Unrechten Parts willen.
Der Spruch im Lukas, Luk. 6 wird dieser Meinung vonEerichtshändeln auch entgegen gehalten: „So dir einer das Dei-ne nimmt, fordere es nicht wieder." Aber cs mag gewißlich dieserSpruch dahin nicht gezogen werden, als daß Christus hiermitlehren wollte, daß alle Dinge sollten gemein sein, oder daß diesollten sündigen, so da Eigcnthum besitzen, oder ihr ausgcliehcnes