Druckschrift 
Geschichte der Schöpfung : eine Darstellung des Entwicklungsganges der Erde u. ihrer Bewohner ; für die Gebildeten aller Stände
Entstehung
Seite
588
Einzelbild herunterladen
 

388

haben daö mittlere Afrika unterhalb des Aeguators inire und dehnen sichan derOstküstc weiter nach Süden bis zur WeihnachtS-Bai (Port »»lol) hinauS. Sic sind nicht so wild, wie die eigentlichen Neger, allein bis jetztebenfalls noch völlig unkultivirt. Ein hoher kräftiger Wuchs, eine nichtins Nußbraune spielende, vielmehr bronze-braune oder reiner schwarze Farbe,eine größere Nase mit erhabenem Rücken und eine höhere Stirn zeichnen siephysisch aus. Ihre Sprache verrät!) einige Beziehung zum Koptischen,und unterscheidet sich schon dadurch von den eigentlichen Negersprachcn;dabei ist ihr Ton wohlklingend und ganz ohne das widrige Schnalzen,welches den Hottentotten sogleich anzeigt. Ihre Phpsionomic hat etwasEdles, Europäisches, und ihr Benehmen ist imponirend. Sic zerfallenübrigens, gleich den ächten Negern, in zahlreichere kleinere Völkerschaften,von denen die Anakvsas an der südlichen Küste die bekanntesten, dieBetschuanen im Innern die schönsten sind. Als besondere Eigenheitist »och der Gebrauch des Tättowircnö bei Kaffernnationen zu erwähnen,während er bei den ächten Negern nicht vorzukvmmen scheint.

Die Hottentotten bewohnten ursprünglich die ganze SüdspitzcAfrikas und die benachbarten Gegenden der Westküste, jetzt sind sie von derini Kaplandc ansässigen europäischen Bevölkerung auf die letztgenanntenGegenden beschränkt worden, Sic unterscheiden sieh von den übrigen Neger-stämmcn leicht durch ihre hellere kupferbraunc Farbe, ihren kleineren schwä-cheren Körperbau, ihre auffallend schmalen Hände und Füße, ihre schmalen,nach innen abwärts geneigten Augen und ihre mehr rundlichen Schädel.Dadurch erinnern sic an die Mongolen. Auch sprachlich von den Kaffem,wie von den ächten Negern gleich stark abweichend, bilden die Hottentotteneinen sehr armseligen, aber gut gearteten Menschenschlag, dessen fast thicrischcVerkümmerung, wie sie in den wasserloscn Einöden nördlich von den Grenz-bcrgcn der Kapkolonic bis zum Orauge-Fluß unter der Form der Busch-männer dem Reisenden begegnet, an die äußersten Grenzen der Mensch-heit streift. Merkwürdig, daß gerade dieses Volk auch die cigenthümlich-sten physischen Sonderbarkeiten uns darbictct, nämlich eine polstcrförmigcEntwickelung des Gesäßes bei den Frauen, und eine unter dem Namen derHvttcntottcnschürzc bekannte Verlängerung ihrer inneren Schamlippen,welche jedoch dein Grade nach bei verschiedenen Individuen großen Schwan-kungen unterliegt und von den meisten älteren Beschreiben: übertrieben an-gegeben worden ist. Daß diese dem fettreichen Zellgewebe der genanntenThcile angehörigc Entwickelung in derselben Erdgcgend vorkommt, in wel-cher die Schaafc ein enormes Fettpolster am Schwänze bekommen, ist