Druckschrift 
Geschichte der Schöpfung : eine Darstellung des Entwicklungsganges der Erde u. ihrer Bewohner ; für die Gebildeten aller Stände
Entstehung
Seite
556
Einzelbild herunterladen
 

386

dem Entstehe» beider Formationen scheinen übrigens ich den benachbartenGebirgen inchrerc Nivcauvcrändcrungen eingetretcn zu sein; denn wir er-fuhren schon früher (S. 29L), daß das Böhmcrwaldgcbirge die Schichtendes Keupers hebt, also mit der Jurabildung gleichzeitig sein Niveau änderte,während das Erzgebirge verworfene Juraschichten trägt und das Ricscn-gcbirge mit den Verwerfungen der Kreideschichtcn am nördlichen Harzrandegleichzeitig eine Niveauveränderung erlitten zu haben scheint. - So wärendenn noch mancherlei Störungen au den Küsten des alten Gcrmaniens vor-gekommen, im Innern desselben aber von der Bildung des Keupers bisnach Absatz der Kreide keine wesentlichen Umgestaltungen eingetrcten. Hierhatte die organische Welt lange Zeit einen sehr ruhigen Aufenthalt, den siejedoch eben nicht sehr benutzt zu haben scheint; denn die meisten Geschöpfeaus jener Periode sind noch Wasserbewohner, obgleich Lustathmer, nämlichAmphibien.

Allein die Ruhe, welche die damalige Organisation während einesso langen Zeitraumes wenigstens an dieser Stelle genossen haben mochte,wurde beim Beginn der tertiären Periode auf eine sehr gewaltsameWeise gestört, indem das Meer von einem sehr großen Thcile des noch nichtvorhandeneil Festlandes in periodischen Absätzen sich zurückzog, und dabeivorübergehend ältere Landstriche aufs Neue bedeckte. Die Ursache dieserWasserversetzung dürfen wir ohne Frage aus sehr bedeutenden Verwerfungender Erdoberfläche selbst ablcitcn und mit einem hohen Grade von Wahr-scheinlichkeit annehmen, daß es Durchbrüche in der westlichen Alpenkctte,den Pyrenäen und Apcnninen (S.295) waren, welche dieselben vcranlaßtcn.In dieser Zeit erlitt auch Deutschland bedeutende Umwälzungen durch dieHebung des Tcutoburgerwaldcs und der Weserkette, die beide erst nach derKreide entstanden. Alls derselben Periode rühren die Braunkohlenschichtcnher, welche an vielen Stellen innerhalb des alten Festlandes, z. B. imThalc der Fulda bei Cassel, im Saalthale bis oberhalb Jena hinauf, inBöhmen im Thalc der Eger und von da bis nach Teplitz, in den Thälcrndes Westerwaldcs, im Rhcinthalc selbst bei Bonn und nördlich von Frank-furt bis zum Vogelsbcrgc hin angctroffen werden. Alle diese localen Ge-bilde sind die Produkte lange fortdauernder Wasscrfluthcn im Binnenlande,welche die Waldungen des Festlandes mit sich fortnahmcn und an abschüssi-gen Stelleil, wo daö Wasser sich sammelte oder in Vertiefungen aufgcstautwurde, absctzten, sie mit den nachfolgenden Thon - und Sandinassen be-deckend. Die Umrisse Deutschlands erweiterten sich bei dieser großen Kata-strophe nach Norden zu nicht wesentlich, das Meer trat noch immer bis