Druckschrift 
Geschichte der Schöpfung : eine Darstellung des Entwicklungsganges der Erde u. ihrer Bewohner ; für die Gebildeten aller Stände
Entstehung
Seite
426
Einzelbild herunterladen
 

-- 426

aber die flüchtigere Thicrwelt hat auf dem ausgedehnten Tieflaude destoleichtere Commuuicationswegc gefunden. Zahlreiche Antilopen, derzierliche Schmuck unabsehbarer Ebenen, bewenden den afrikanischen Boden;gestreifte Pferde oder Zebras, welche die auffallenden Unterschiede desHauSpfcrdcs und Esels zu verbinden streben, schließen sich ihnen an, wäh-rend einsam oder in kleineren Gruppen die gespenstige Gestalt der Giraffeals merkwürdigste Form der afrikanischen Thicrwelt uns begegnet. Abernicht bloß das friedliche Geschlecht der Wiederkäuer (S. 418), auchdie wilde Hyäne, das plumpe Nilpferd, die häßlichem Paviane,die gigantischen Strauße und die zierlichen Perlhühner gehören zu denEigenthümlichkeiten dieses Wclttheils. Und wenn irgendwo der Charakterdesselben abweichender entwickelt ist, so möchte cs in Guinea der Fall sei», wodie kolossalsten Pflanzenstämme der Adansonic neben den größten Käfern,den prachtvollen Goliathiden, auftreten, während die Zebras, Antilopenund die Giraffe fehlen, weil das schmale Flachland der Küsten ihrer Lebens-weise nicht mehr zusagt.

Völlig verschieden von Afrikas weit ausgedehnten Ebenen ist das süd-östliche, von den gewaltigsten Strombetten durchfurchte, asiatische Hochlandmit seinen benachbarten Inselgruppen; eine Gegend der Mannigfaltigkeit,wie es keine andere auf der Erdoberfläche giebt. Schwer hält cs eben des-halb, ihre Eigenthümlichkeit in wenige Worte zusammcnzufasscn. Nebender uralten, aber erloschenen Kultur Indiens , steht hier die eben so alte,seit Jahrhunderten abgeschlossene Bildungsstufe der Chinesen, und an beidereihet sich das flüchtig dahin geschwundene, einem unbesonnenen Wüstlingevergleichbare Geschlecht der Malaycn, denen die aufkommcndc Herrschaftder Europäer vielleicht später cincu neuen Glanz verleihen wird. Und sowie diese Völker in ihrer Geschichte uns erscheinen, so giebt sich auch dieorganische Natur ihrer Heimath unS zu erkennen. Riesenhafte und zugleichkluge Elcphanten verrathen die ungeheure Fruchtbarkeit dieses Bodens,während der blutgierige Tiger, das größte und gefährlichste Raubthier derErde, jenen asiatischen Weltstürmern gleich, die Zügellosigkeit der Leiden-schaft bekundet, welche ein üppig emporgeschosscncs, mit den Drangsalender Noth unbekanntes Wesen anzudeuten pflegt. Hier ist die Heimathvom Reis, dem schönsten Brodkorne der Erde, hier wachsen alle edlerenGewürze, hier haben die Baumwolle, der Thec, die Camcllie,das M oschusthicr, der Seiden w u r m und die nutzbare Gattung derHaus Hühner nebst den Fasanen und Pfauen ihre ursprünglichenWohnsitze. Paradiesvögel bilden nach Osten, Perle n m »schein