Druckschrift 
Geschichte der Schöpfung : eine Darstellung des Entwicklungsganges der Erde u. ihrer Bewohner ; für die Gebildeten aller Stände
Entstehung
Seite
355
Einzelbild herunterladen
 

licher und größer; Eigenschaften, die sich leicht als Resultate damaligeräußerer Verhältnisse Nachweisen lassen, in so fern die Mannigfaltigkeit deräußeren Medien, welche der Gegenwart zukoinmt, und ganz besonders dieUnterschiede der Zonen, noch nicht so groß waren, die Nährkraft des Bodensaber für jedes einzelne Individuum schon deshalb stärker sein konnte, weiler weniger Formen zu versorgen und in ihren Bedürfnissen zu unterstützenhatte. Im Ganzen mag die Masse des organischen Stoffes relativ selbstetwas größer gewesen sein als jetzt, aber seine Vcrthcilung war sicher eineandere. Wenige groteske Pflanzcnformcn bekleideten damals in reichlicherFülle der Individuen zu einander gesellt das erste trocken gelegte Erdreich,und bewirkten durch ihre allgemeine Ucbereinstimmung einen stets gleichenAnschein. Kein Säugethicr bewohnte diese Wälder, kein Vogel umkreistedie Wipfel der Bäume, lautlos lag die ganze Schöpfung im morgcnlichenSchlummer, denn kein der Stimme fähiges Geschöpf hatte sich bis dahin derErde entwunden. Stumme Wasserbewohncr umgaben, größtentheils allerschnellen Bewegungen beraubt, im Schneckcngange dahin kriechend oder ganzruhend jene ältesten Inseln, die noch keinen Fruchtbaum trugen, keine Blu-men entwickeln konnten; und wenn wirklich eine schleichende Eidechse in die-sen Gebüschen lebte, so mußte sie umhcrlauschcn und aus den Meerge-schöpfen mühsam ihre Nahrung sich auffischcn. Denn sie war, so scheinteS, der einzige größere Bewohner jener bewaldeten Eilande im unabsehbarenWeltmeer.

Aber wir vergessen, daß cs noch nicht unsere Aufgabe sein kann, dieverschiedenen Schöpfungsperioden nach ihren Organismen zu schildern, weilwir unS noch nicht mit den Gestalten selbst bekannt gemacht haben, derenmodificirtc Abbilder wir in ihnen bewundern wollen. Tamm müssen wirzunächst die systematische Darstellung der Thier- und Pflanzenformen nachihren Haupttypen hier folgen lassen °).

Das Pflanzenreich nimmt, wie überall, so auch im System, deneinfacheren Entwickelungsgang, und kann in gedrängter Kürze übersichtlichgenug dargestellt werden. Es beginnt in seinen untersten Gliedern mitGewächsen, die aus lauter gleichen Zellen bestehen, und durchaus keinen

6) Eine bildliche Darstellung der erwähnten Hauptformcn im Tertc würde zu um-fassend werden, daher sie unterbleiben mußte. Für das hier gesteckte Ziel der Betrachtungmöchten die üuMiüselxm äbbilüuugen, welche auf 44 Tafeln bei G, Reimer in Berlin(1848, 4,) erschiene» sind, genügen. Der Leser wird bei ihrer Einsicht wenigstens diecharakteristischen Organe aller erwähnten Gewächse näher kennen lernen.