festen, aber zugleich weichen, von Flüssigkeit durchdrungenen Stoffen be-stehen , — so kann doch dieselbe nur durch Aufnahme von Flüssigkeit erhal-ten und ergänzt werden, indem alles Materielle, welches der Organismusin sich verwandeln will, durch seine Häute hindurchdringen, also flüssigsein muß. Diesen Proeeß des DurchdringenS von Flüssigkeiten durch dieorganischen Häute ohne Poren nennt man Aufsaugung; sie ist einallgemeiner Charakter aller Organismen, und eine ihrer wesentlichstenEigenschaften, auf welcher ihre Eristenz beruht. Die Anorganismen besitzendiese Eigenschaften nicht, denn daö Einsaugungsvermögen erdiger Stoffe,welches auf die bereits oben (S. 50) erwähnte Kapillarität sich gründet, isteine ganz andere Erscheinung und läßt sich mit dem Aufsaugungöproeeß derOrganismen nicht vergleichen; weil die Flüssigkeit nur die Lücken zwischenden festen Theilen der anorganischen Massen erfüllt, in die Materie derselbenaber nicht eindringt. Thut sie daö, so löst sie die Materie auf, und zerstörtdadurch ihre bisherige Form als feste Substanz. Die Wechselwirkung vonfester und flüssiger Substanz auf einander im Dienste des Lebens ist eigen-thümlicher Charakter der Organisation und ein wesentlicher Hebel ihresDaseins, daher auch die Störung derselben den Tod des Organismus nachsich zieht. Zugleich ist aber dieselbe Beschaffenheit der Organismen Ursacheihrer Zersetzung nach dem Tode und das Mittel, die organische Substanzwieder in ihre anorganischen Elemente zu Zerfällen. Zieht man daher auseinem tobten Organismus, in dem der ZersetzungSproeeß noch nicht begon-nen hat, alle Flüssigkeit aus, trocknet ihn vollkommen und bewahrt ihnunter Hüllen auf, die keine Feuchtigkeit hindurchlassen, oder in Räumen,die an sich ganz trocken sind, so schützt inan dadurch seine feste organischeSubstanz vor Zersetzung und Fäulniß. Die ägyptischen Mumien bewährendie Richtigkeit des Gesagten. Aber auch daö Absperren todter organischerKörper gegen den Zutritt der atmosphärischen Luft kann die Zersetzung der-selben hindern, wenn zugleich die Flüssigkeit iu ihnen durch künstliche Be-handlung verändert und ihrer normalen Mischung beraubt wird; alleinimmer ist eine Lähmung der im tobten Organismus von selbst durch Sauer-stoffaufnahnie erregten chemischen Affinität erforderlich, wenn der Zersetzungö-proceß ihrer Bestandtheile verhindert werden soll. (Vergl. S. 203 Note 16.)Wir haben also hinreichenden Grund zur Behauptung, daß die gleichzeitigeAnwesenheit fester und flüssiger Stoffe im Organismus seine Fortdauerwährend des Lebens ebenso sehr bedinge, wie seine Zersetzung nachdemTobe, und daß in dieser Einrichtung ein wesentlicher qualitativer Unter-schied zwischen ihnen und den Anorganismen ausgedrückt sei.
Druckschrift
Geschichte der Schöpfung : eine Darstellung des Entwicklungsganges der Erde u. ihrer Bewohner ; für die Gebildeten aller Stände
Seite
322
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten