Beschäftigung erst dünn überwunden, wenn sie bei dem Anwachseder Volksmenge zur Vermehrung der Nahrungsmittel nöthigwird (S). Die Hirtenvölker müssen mit ihren Hcerden hcrum-wandcrn, um öfters frische Weiden aufzusuchen (c). Bei solchenwandernden Hirten (Nomaden) zeigt sich bereits der Einflußder Bermögensungleichheit, denn die Viehzucht erfordert einansehnliches Capital an Viehheerden, und diejenigen, welchesolches nicht besitzen, sind gcnöthiget, sich als Lohnarbeiter zuverdingen (cf). Achtung des Eigenthums und Unterwerfungunter ein Oberhaupt, also die Grundlage der Staatsvcrbindung,sind schon bei dieser Ernährungsweise einheimisch, auch gicbtdieselbe Gelegenheit, nicht allein die kriegerischen Tugenden,sondern auch edlere Künste zu pflegen (e).
(«) Biele sehr ausgedehnte und fruchtbare Weideplätze in Ungarn undSiebenbürgen sind noch unbenutzt, weil man wegen des Mangelsan Winterfutter kein Vieh halten kann. Andro, Oek. Ncuigk.1823.1, 248. Doch bleibt das weidende Vieh auf den weiten Putz-ten der Ebene meistens den Winter im Freien, wobei es von derKälte viel leidet. Der Froststurm im Januar 1816 tödtete 80 000Stück Vieh. v. Csaplovics, Gemälde von Ung. I, 142. II, 16.Dasselbe geschieht oft in der Mongolei und in der Steppe dernogaischen Tataren, die durch solche Unfälle zum häufigeren Futter-bau und zur Errichtung von Ställen bewogen wurden, kibl. unlv.Apr. 1831. S. 348 (nach Zwick).
(i) Die alten Deutschen mähten schon die Wiesen und betrieben früheauch den künstlichen Futterbau, doch erfreute sich die Viehzuchtbesonderer Begünstigung, was schon die vielen zu ihrem Schutzebestimmten gesetzlichen Verordnungen zeigen, ko^nier, Oeltes,S. 487.
(o) Das bekannteste Beispiel eines solchen Nomadenvolkes bieten unsdie Araber dar. Der mittlere Theil von Arabien ist mit kahlenBergen und sandigen Ebenen bedeckt, wasserarm, nur in de» tie-feren Stellen feucht genug, um Bäume zu nähren. Die Brunnensind ein höchst wichtiger Vcrmögenstheil, um den man bei streiti-gem Rechte selbst Krieg führt, Du kois-^imö, in der vöseript.So I'liK^pts. — Allg. geogr. Ephem. 1814. Oct. — kis^nler,Vs I'ev. publ. et rur. des Trubes et des luiks. S. 2. — Kurie-Iiurdt, klote8 on tlie Ledoulns und 1830. — Die Na-
tur des Rennthieres, welches stets in der Nähe des Schnees blei-ben muß, gestattet selbst in Lappland diese Ernährungsart. Auchdie jetzt russischen Lappen müssen im Sommer die höheren Weide-plätze des norwegischen Gebirges, zwischen 2000 und 2800 FußHöhe, aufsuchen, v. Buch, Reise d. Scandin. II, 161.
(ck) Bei den Beduinen kann ohne ein Kameel keine Familie auskom-mcn, bei 10 Kameelen ist man noch dürftig, bei 30 — 40 wohlha-bend, bei 60 reich (Burckhardt). — Bei den Rennthierlappen