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Grundsätze der Volkswirthschaftslehre
Entstehung
Seite
257
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2. Hauptstück.

Größe des Lohnes in verschiedenen Zeiten undLändern.

Z. 199.

Ein durch großen Borrath an Capitalcn bewirkter hoherLohn enthält in sich selbst die Ursache seiner Erniedrigung, indemer eine Bcrmehrnng der Arbeiterzahl veranlaßt (Z. 196), wofernediese keine Hindernisse findet. Nur da kann der Arbeiter anhal-tend reichlich gelohnt werden, wo auch das Capital sich schnellvermehrt (»). Ein hoher Stand des Arbeitslohnes zeigt alsoeine blühende Lage der Bolkswirthscbaft an, wobei die Gewerbegroße Gewinnste geben und das Volksvcrmögen sich in schnellemSchritte vergrößert, wie dieß häufig in neuen Ansicdlungcn derFall ist oder auch in solchen Ländern, die, aus dem Schlummererwachend, rasch in der Entwicklung ihrer geselligen Verhältnissefortgchcn. Niedrige Bevölkerung kann nicht an und für sich, son-dern nur wenn der Begehr von Arbeit das Angebot übersteigt,den Lohn erhöhen. Völker, deren Gewerbe schon länger ausge-bildct sind, pflegen sich langsamer zu bereichern, das Capital ver-mag nicht mehr so leicht der Volksmenge im Wachsthum vor-auszueilen und der Lohn steht folglich niedriger. Doch zeigen sicheinzelne Perioden, in denen das Gegcntheil Statt findet, wennz. B. solche Staatscinrichtungcn, die den Erfolg der hcrvorbrin-gcndcn Arbeiten beengten, hinweggeräumt oder sehr einflußreicheErfindungen gemacht werden; auch darf man da, wo die Bedürf-nisse der arbeitenden Classe sich mit der Zunahme der allgemeinenBildung vermehren, wo die Gcwerbskünste fortschreiten und Rc-gierungsmaaßregeln die Production befördern, einen Anwachsdes Lohnes wie des Wohlstandes annchmen (S). Am niedrigstenmuß sich der Lohn da stellen, wo der Wohlstand im Abnchmenist, weil dann die Menschenmenge im Verhältniß zu den Erwerbs-gclcgenheiten zu groß erscheint (c.).

(«) Ausnahmsweise und vorübergehend könnte eine starke Verringe-rung der Arbeiterzahl, z. B. nach Seuchen oder schweren Krie-gen, an der Steigerung des Lohnes Ursache sein.

Rau, polit. Oekon. Ste Ausg. I. 17