34
Nur her mein liebstes Vögelein,
Wir wollen nicht die Faulsten seinUnd schlafend liegen bleiben:
Vielmehr bis daß die Mvrgcnröth'
Erfreuet diese Wälder öd',
In Gottes Lob vertreiben.
Laß dein StimmlcinLaut erschallen, denn vor allenKannst du loben
Gott im Himmel hoch dort oben.
Während dieses Gesanges bedünkte mich wahrhaftig,als wenn die Nachtigall sowohl als die Eule und Echo miteingestimmt hätten, und wenn ich den Morgenstern jemalsgehört oder dessen Melodie auf meiner Sackpfeife aufzu-machen vermocht hätte, sy wäre ich aus der Hütte gewischt,um meine Karten mit einzuwerfen, weil mich diese Harmo-nie so lieblich zu sein bedünkte. Aber ich entschlief underwachte nicht wieder, bis wohl in den Tag hinein, da derEinsiedel vor mir stand und sagte: „Auf, Kleiner! ich willdir Essen geben und alsdann den Weg durch den Waldweisen, damit du wieder zu den Leute», und noch vor Nachtsin das nächste Dorf kommst." Ich fragte ihn: „Was sinddas für Dinger, Leuten und Dorf?" Er sagte: „Bist du dennniemals in einem Dorfe gewesen und weißt auch nickt, wasLeute oder Menschen sind?" „Nein," sagte ich, „nirgendsals hier bin ich gewesen; aber sage mir doch, was sindLeute, Menschen und Dorf?" „Behüte Gott!" antwor-tete der Einsiedel, „bist du närrisch oder gescheit?" „Nein,"sagte ich, „meiner Meuder und meines Knans Bub' bin ichund nicht der Närrisch oder der Gescheit.'" Der Einsiedelverwunderte sich mit Seufzen und Bekreuzigung und sagte: